Wolfgangs Lokumne! Über die Pegida, Friedrich Schiller und den Mindestlohn. (Wolfgang Luley)

Wolfgangs Lokumne!

Über die Pegida, Friedrich Schiller und den Mindestlohn.

Hast Du von der neuen Funktion, auf dem sozialen Netzwerk Facebook gehört, mit dem man seine Freundesliste von Pegida-Anhängern säubern kann?

Wolfgang: Ja, ich werde davon aber keinen Gebrauch machen. Gesinnungsschnüffelei hatten wir in der DDR genug. Nun, 25 Jahre nach dem Mauerfall, sollen wir erneut damit beginnen? Nein danke.

Sagt ein Pegida-Anhänger?

Wolfgang: Islamisierung ist ein wichtiges Thema. Gegen Ende 2014 liegt die Zahl der sogenannten Gotteskrieger, die aus Deutschland nach Syrien ziehen, um den Islamischen Staat bei seinen Terroraktionen zu unterstützen, bei etwa 400 Personen. Zumindest laut Bundesverfassungsschutz. Auch ist bekannt, dass ein deutscher Salafist, Silvio K., zu Anschlägen in Deutschland aufgerufen hat. Und da soll man Bürgern, das Recht auf Protest, absprechen?

Der Vorwurf an Pegida, seitens der Politik, lautet: da liefen Rechte und Rechtsextreme mit.

Wolfgang: Mit Manuela Schwesig (SPD) ist eine Frau Bundesministerin, die linksextreme Vereine finanziell unterstützt – und das aus Steuergeldern. Aber besorgten Bürgern wird das Recht auf Protest abgesprochen, weil bei ihnen Rechte und Rechtsextreme mitlaufen. Ja, das ist durchaus logisch und nachvollziehbar. Wir sollten kritiklos alles hinnehmen, was die Bundesregierung sagt.

Das war jetzt wieder gewohnt zynisch!

Wolfgang: nicht unbedingt. Ich denke nur über das nach, was andere sagen. Als Dichter bin ich sehr für Ideologie- und Sprachkritik.

Was ist der Sinn von Literatur? Sollte sich Literatur politisch äußern?

Wolfgang: Bisher war ich bei solchen Fragen zurückhaltend. Der römische Dichter Horaz meinte, in seiner Ars poetica, Dichtung solle nützen oder gefallen oder nützen und gefallen. In ähnlicher Weise hat sich Schiller, über 1000 Jahre später, geäußert, als er in: Über naive und sentimentale Dichtung meinte, sie habe die Aufgabe, alle Menschen glücklich zu machen. Das ist natürlich eine berechtigte Meinung. Ihr fehlt aber die Letztbegründung. Sie kann nicht die Frage beantworten, warum Dichtung Glück stiften soll.

Stimmt. Dichtung, die Unglück (Ernüchterung) stiftet, kann trotzdem ein Kunstwerk sein. Das trifft vor allem auf Satire zu.

Wolfgang: Eben, eine Letztbegründung kann auch ich nicht liefern, daher weiche ich diesen Fragen aus. Für mich hat Literatur den Zweck, dass sie ein Spiegel ist, den ich meinen Zeitgenossen vor die Nase halten kann. Ein Spiegel ist für mich auch Sprachkritik. Da halte ich der Sprache den Spiegel vor. Aber eine Anweisung, für andere Dichter, werde ich daraus nicht ableiten. Jeder soll dichten, was – und wie – ihm beliebt.

Also hat man von Dir kein Literaturprogramm, in der Art von Schiller, zu erwarten?

Wolfgang: Das sind Fragen, die mir Bauchschmerzen bereiten. Wenn ich jetzt nein sage und morgen fällt mir doch ein Programm ein, dann…

Dann muss das nicht schlecht sein.

Wolfgang: Ja, lassen wir es erst einmal bei allgemeinen Literaturüberlegungen.

Wie lässt sich – literarisch – mit den derzeitigen Pegida-Demonstrationen umgehen?

Wolfgang: Da fallen mir zwei Beispiele ein: Im Namen der Toleranz werden Bürger in ihrem Recht auf Protest beschnitten. Als hätten nur Linke und Linksextreme ein Recht auf Protest! Zum anderen, dass die Bezeichnung „Pegida-Idiot“, wie man sie derzeit im Feuilleton antrifft, als Einfallstor für Schreckensszenarien missbraucht wird. Etwa so: Wer zur Pegida geht, ist ein Idiot. Nazis sind auch Idioten, also sind Bürger, die zur Pegida gehen, Nazis. Und als weitere Folge: Nazis marschieren auf unseren Straßen und wollen unsere Demokratie in eine faschistische Diktatur umkrempeln.

So also könnten Strickmuster für satirische Texte aussehen?

Wolfgang: Ja, außerdem: Bürger haben das Recht auf die Straße zu gehen. Wer ihnen dieses Recht beschneidet, handelt bevormundend. Für mich ist die Pegida ein Symbol für die Frage: Bevormundung oder Freiheit?

Also ist jegliche Kritik an der Pegida verpönt?

Wolfgang: Nein, ich finde, die Pegida lenkt von wichtigen Themen ab. Es wird kaum thematisiert, wie sich deutsche Unternehmen, von Anwälten, beraten lassen, um den allgemeinen Mindestlohn, der 2015 eingeführt werden soll, umgehen zu können. Auch spielt kaum eine Rolle, dass Vermieter, auf Kosten von Deutschen, Gewinn erwirtschaften.

Wie das?

Wolfgang: Die Vermieter werfen die Mieter auf die Straße und lassen Flüchtlinge einziehen, für die sie staatliche Zuschüsse beanspruchen. So wird, unter dem Deckmantel der Toleranz, Gewinn gescheffelt.

Dann bist Du kein Pegida-Anhänger?

Wolfgang: Ja. Nein. Vielleicht.

Danke für das Interview!

Wolfgang: Bitte!

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