Weihnachtszeit – Zeit fehlender Besinnlichkeit (Wolfgang Luley)

Weihnachtszeit – Zeit innerer Einkehr und Besinnung! Leider nicht dieses Jahr. Mir fällt das schwer, nicht generell, aber dieses Jahr starben, kurz hintereinander, drei Menschen, die ich sehr mochte. Udo Jürgens (80 Jahre), Joe Cocker (70 Jahre) und Fritz Sdunek (67 Jahre).

Über diese Drei zu schreiben, ist, als frage man ein Kind – nach dem Zirkusbesuch – was es dort alles erlebt hat. Es weiß nicht, wo es anfangen soll und reiht Sensation an Sensation. Ähnlich ergeht es mir hier. Darum auch nur eine ganz persönliche Würdigung.

Erinnere ich mich an Udo Jürgens, fällt mir ein, wie er mit einem Morgenmantel auf der Bühne steht und dazu singt. Bei anderen hätte das albern gewirkt, bei ihm sah es aus, als wäre man bei ihm zu Hause und lausche einem intimen Konzert. So bewirkte er Zustimmung und Begeisterung. Vielleicht war das nötig. Seine Lieder bedienten Themen deutscher Schlager, auch „Liebesschnulzen“ genannt, etwa „Merci Cheri“, mit dem er 1966 den Grand Prix in Frankreich gewann. Daneben sang er aber auch sozialkritische Schlager. Ich erinnere mich vor allem an einen, den er 1977 sang. Er heißt: „Gefeuert“ und thematisiert einen Arbeiter, der gefeuert wird, weil er keine 30 Jahre mehr ist. Voller Bitterkeit bekennt der Mann, er habe sich nie an wilde Streiks beteiligt und habe trotzdem einen Tritt bekommen. Als Folge gehört er zum „alten Eisen“ und weiß nicht mehr, wo sein Platz in der Gesellschaft ist. Wenigstens geben ihm seine Kollegen ein letztes Bier in der Kneipe aus. Zurück bleibt ein beklemmendes Gefühl im Magen. Auch beim Tode von Jürgens.

Eine Attraktion war gewiss auch Joe Cocker. Vielleicht nicht er als Person – wenn man sah, wie er auf der Bühne stand und mit Armen und seinem Oberkörper zuckte, was immer so wirkte, als bekomme er gerade einen epileptischen Anfall, dann wirkte das auf das Publikum wenig ansprechend. Aus diesem Grund standen oft Tänzerinnen im Vordergrund. Joe Cocker wirkte durch seine Reibeisenstimme. Auch heute noch bekommt man Gänsehaut, hört man „With a Little Help from My Friends“. Ein Lied der Beatles, das heute ein Cocker-Klassiker ist. Daran erkennt man, wie stimmgewaltig er war. Ein Lied, das mir besonders gut ins Ohr ging, ist, „When the Night Comes.“ Darin heißt es: „Ich will einfach nur für jemanden da sein, wenn die Nacht kommt.“ Drogen- und Alkoholprobleme lassen darauf schließen, dass er so manche einsame Nacht zu überstehen hatte. Anfang der 80iger raffte er sich aber auf und räumte mit Jennifer Warnes einen Grammy ab. Das Siegerlied hieß: „Up Where We Belong“. Bereits vom Krebs gezeichnet, kündigte er ein neues Album an. Der Tod war schneller.

Fritz Sdunek glänzte zwar auf seiner „Bühne“, im Boxring, heller als Cocker, aber weniger erfolgreich als Jürgens. Sein größter Triumph als Boxer blieb der Studentenmeistertitel der DDR. Aber dann! Dann wurde er Trainer und trainierte viele Boxtalente, von denen er auch manche zum Weltmeistergürtel führte, darunter Namen wie: Wladimir und Vitali Klitschko. Namen, die nach Faustschlägen, Stehvermögen und Siegeswillen klingen. Bis zu seinem Tod trainierte er weiter. Seine Biografie heißt nicht umsonst: „Durchgeboxt – Mein Leben am Ring.“ Was mir an ihm so gefällt, ist sein Gespür für Boxer. Er erkannte Talente und spornte sie zu Höchstleistungen an. Darin war er weltmeisterlich. Daneben galt er auch als väterlicher Freund der Boxer, die er trainierte. Aufgeben war für ihn ein Fremdwort. 2010 musste er an der Hüfte operiert werden, selbst danach trainierte er noch Weltmeister wie Felix Sturm oder Vitali Klitschko. Der Krebs hat seiner Laufbahn ein jähes Ende bereitet. K.o. in der 67igsten Runde. Auch einer, dessen Siege uns noch lange im Gedächtnis bleiben werden.

Alle drei Menschen verbindet ein unbändiger Siegeswille, der auch ein Hauch von Tragik besitzt. In unseren Erinnerungen werden sie aber weiterleben. Ob das ein wirklicher Trost ist, überlasse ich jedem selbst. Nur eines ist sicher: Sie werden uns fehlen.

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