Der letzte Tag des Jahres ist ein weiser Tag oder: Jahresrückblick 2014

Der letzte Tag des Jahres ist ein weiser Tag. Er steht am Ende von 364 Tagen und blickt zurück. Er kann beurteilen, welche Tage gut und welche schlecht waren. Wenn man so will, ist der letzte Tag des Jahres dessen Richter. Klingt das zu gedankenschwer? Gut, dann lassen Sie uns auf das Jahr 2014 zurückblicken, indem wir uns auf dem Sessel zurücklehnen.

Auf der Onlineausgabe von Spiegel darf man eine Fotostrecke bewundern, die die schrecklichsten Kleider des Jahres zeigen. Als ich die Strecke durchlaufen habe, fand ich viele Kleider aber – wie soll ich sagen? – Angenehm? Witzig? Auffallend? Wie auch immer, sie sind ansprechend. Da traut sich zum Beispiel die Schauspielerin Lena Dunham vor die Linsen der Fotografen. Sie trägt dazu einen pinkfarbenen Rock mit einer roten Schleppe. Er ähnelt einem großen Sack, wie ihn etwa der Weihnachtsmann auf dem Rücken tragen könnte, nur dass der Boden abgeschnitten ist. Ich gebe zu, das Kleid ist kein wirklich gelungener Einfall. Das liegt vielleicht aber auch nur an Frau Dunham, die – sagen wir diplomatisch – eine durchschnittliche Figur hat.

Die Sängerin Rita Ora hingegen bräuchte kein Kleid. Viele Männer würde sie gerne ohne eines sehen. Sie ist sportlich trainiert und leidet nicht unter Schüchternheit. Entsprechend sieht auch ihr Kleid aus. Ich bin mir gerade unschlüssig, ob man tatsächlich von einem „Kleid“ sprechen kann. Sie trägt ein rotes Nichts auf dem Körper, das sie noch extra im Schritt festhalten muss, sonst würde es ihr der Wind fortpusten. Auf der anderen Seite ist so ein Kleid natürlich auch Stoff sparend, was sehr ökonomisch gedacht ist: So lassen sich aus einem Kleid zwei Kleider nähen. Allerdings: Wenn Frau Ora schon ein rotes Nichts von einem Kleid trägt, warum tritt sie dann nicht gleich in einem Bikini auf? Das scheint mir das Ideal solcher Kleider zu sein: Man nehme einen Bikini und nähe noch etwas Stoff dran.

Das hat sich wohl auch die Sängerin Pixie Lott gedacht und zog einen Bikini an, an dem noch Stoff dran genäht wurde. So fällt zwar ihre sportliche Figur auf, leider aber auch das Kleid. Auf mich wirkt es, als habe man eine Gardine genommen, auf den Umfang ihrer Figur gekürzt und dann zusammengenäht. Weil das aber noch zu wenig exzentrisch war, hat man ihr eine schwarze Weste übergezogen, wie sie auch meine Oma trägt und dazu hat man Pixie Lott einen BH in Form einer Schleife verpasst. Wenn ich mir das Endergebnis aber lange genug betrachte, fällt mir auf, dass sexy Frauen alles tragen können. Sie fallen trotzdem auf. Auch hier frage ich mich: Warum hat sie nicht einfach einen Bikini angezogen?

Die Unternehmerin Kim Kardashian hätte mit einem BH sicher auch keine Probleme. Sicher kennen Sie, geneigte Leser, PVC-Verpackungen. Das sind durchsichtige Verpackungen, mit denen man zum Beispiel Fleisch einfriert. Oder – Unternehmerinnen verpackt. Wie zum Beispiel Kim Kardashian. Der einzige Unterschied ist der, dass ihre PVC-Verpackung pinkfarben ist. Dachten Sie etwa, sie stülpt sich eine durchsichtige Verpackung über! Gut, der Gedanke ist nicht abwegig, hat Frau Kardashian doch Filme in ihrem Schlafzimmer gedreht, die dann „aus Versehen“ ins Netz geraten sind. Ihre Popularität hat es beflügelt, ihren guten Ruf leider nicht. Insofern: Das PVC-Kleid passt zu ihr. Allerdings auch ein Bikini!

Ein PVC-Kleid passt definitiv nicht zu der Sängerin Jennifer Lopez. Auch bei ihr wird sich der Modeschöpfer gedacht haben: Man nehme ein silbernes Abendkleid und schneide Streifen heraus. Doch lies er genug Stoff übrig, dass Frau Lopez nicht in die Verlegenheit kam, sich in den Schritt greifen zu müssen. Nebenbei: Bis auf Frau Dunham scheinen alle anderen Frauen Anhängerinnen des Freikörperkults zu sein. Da frage ich mich: Braucht es für solche Frauen überhaupt Kleider? Sie kennen doch bestimmt das Märchen vom König ohne Kleider? Das war ein König, der nackt war und behauptete: Er trage das schönste Kleid des Landes. Wäre das nicht ein neuer Berufszweig? Man wird Modeschöpfer für „Luftkleider“! Frau Lopez und andere Frauen würden sicher horrende Preise dafür zahlen. Mal sehen, vielleicht wechsle ich den Beruf und biete in Zukunft Luftkleider für reiche und schöne Berühmtheiten an.

Damit beenden wir die Modeschau der ansprechenden Kleider.

Aber bleiben wir beim Thema „Schrecklichkeit“. Über eine schrecklich peinliche Auszeichnung darf sich Monika Herrmann freuen. Nein, keine Angst, sie hat sich nicht in einem Bikini vor die Presse getraut. Obwohl: In einem Sack, der ihren ganzen Körper verdeckt, könnte sie vielleicht auf einer Modenschau glänzen oder eine Miss-Wahl gewinnen. Bei Frau Herrmann spielt ihr Äußeres aber keine Rolle. Bei ihr kommt es darauf an, dass sie Entscheidungen treffen kann. Halt, was rede ich da für wirres Zeug? Wenn Frau Herrmann etwas nicht kann, dann Entscheidungen treffen. Sie ist eher eine Meisterin im gründlichen Überlegen. Leider ändert es am Ergebnis wenig: Sie scheint eine Phobie zu haben, was Entscheidungen betrifft. Auf der anderen Seite: Mit dieser Einstellung hat sie die richtige Berufswahl getroffen. Sie ist Politdarstellerin, heißt: Sie ist Bürgermeisterin von Berlin, Stadtteil: Friedrichshain-Kreuzberg. Das Stadtmagazin „Tip“ hat sie zur peinlichsten Berlinerin des Jahres gewählt. Dazu heißt es in der Berliner Zeitung: „Die Grünen-Politikerin fiel wegen ihres Umgangs mit dem Drogenproblem im Görlitzer Park und den Flüchtlingen in einer besetzten Schule in Ungnade.“ Gerade frage ich mich, warum das peinlich ist? Sind nicht die Grünen an sich peinlich? Die haben Politiker in ihren Reihen, die für den Gebrauch von Drogen werben und Inzest befürworten. Außerdem bekennen sich viele Mitglieder ihres Jugendverbandes zum Linksterrorismus. Was soll also an Frau Herrman besonders peinlich sein? Sie passt doch gut ins Bild der Grünen. Pardon, da fällt mir gerade ein, dass wir noch keinen Sozialismus haben. Insofern darf man Grüne noch peinlich finden. Ihr Kollege von der SPD, Bundesjustizminister Heiko Maas, will zukünftig „Hasskriminalität“ bestrafen lassen. Wenn also zukünftig jemand Kritik an den Grünen, bzw. an der SPD äußert, verbreitet er „Hassbotschaften“ und das soll kriminell werden. Ich bin sehr dafür, dass Herr Maas sich gleich selbst anzeigt. Was er nämlich tut, ist nichts anderes. Der Ausdruck „peinlich“ ist da noch beschönigend. Was Herr Maas und Frau Herrmann überziehen sollten, ist weder ein Sack noch ein Kleid, sondern etwas anderes, ein Maulkorb. Für unsere Demokratie wäre das ein Gewinn.

Damit Sie, geneigt Leser, doch noch lachen können – der letzte Tag soll nicht an Gedankenschwere leiden – erzähle ich Ihnen noch von dem peinlichsten und schrecklichsten Spielzeug des Jahres 2014. Sicher kennen Sie die Diddle-Maus? Nein? Ihr Kind bestimmt. Die Diddle-Maus ist eine Stoffpuppe, in der Höhe einer Blumenvase, und sollte ursprünglich ein Känguru werden. Offenbar ging dem Zeichner aber die Mine seines Bleistiftes aus, sodass er auf halbem Weg aufhören musste. Das Ergebnis war ein Känguru, das wie eine Maus aussah, die sich bemühte, wie ein Känguru zu wirken. Und dieser Frankenstein unter den Spielsachen hält fast jedes deutsche Kinderzimmer besetzt. Ich gebe zu, auch ich bin einmal seiner Versuchung erlegen. So habe ich eine Diddle-Maus für meinen damaligen zehnjährigen Vetter gekauft. Er trug einen blonden Scheitel, war ordentlich gekleidet und hielt mir die Tür auf, wenn ich ihn besuchte oder wieder verließ. Ich dachte, ich würde ein passendes Geschenk für ihn aussuchen. Zumal Diddle-Mäuse vor einigen Jahren noch unbekannter waren. Und tatsächlich, als ich ihm die Maus zu Weihachten schenkte, bekam er glänzende Augen. Warum, sollte ich erst einige Tage später zu Silvester erfahren. Da war ich wieder zu Besuch. Als es Neujahr schlug, rannte er in sein Zimmer, holte die Maus und spurtete hinunter auf die Straße. Ich stand am Fenster uns sah hinunter. Alles, was ich erkennen konnte, war, dass er mit einem Feuerzeug hantierte. Dann: bumm! Es krachte und ein buntes Feuerwerk erstrahlte die Nacht. Als er, Minuten späten zurückkehrte, bedankte er sich bei mir, für „eines der besten Geschenke der letzten Jahre“. Ich blieb noch, bis der Morgen anbrach. Dann begab ich mich auf den Heimweg. Zuvor sah ich mir noch an, was mein Vetter getrieben hatte. An der Stelle, an der er mit dem Feuerzeug hantiert hatte, waren Fetzen von Stoff übrig, sowie leere Hüllen von Böllern und Raketen. Er musste die Maus damit reichlich „gefüttert“ haben. Im Nachhinein gebe ich ihm recht. Was will ein Junge mit einem Stofftier, das sich nicht entscheiden kann, ob es ein Känguru oder eine Maus sein will. Überhaupt: schon der Name: Diddle-Maus ist derart kindisch, dass es Erwachsenen den letzten Nerv rauben kann, wenn ihre Kinder den ganzen Tag nur von Diddle-Mäusen reden. Am Ende kriecht die Diddle-Maus noch in unsere Träume.

Ob Ihnen das Jahr 2014 in Ihre Träume kriecht, weiß ich nicht. Und wenn, dann hoffentlich nur als angenehmes Erinnerungsbild. Oder: im Bikini.

Einen letzten Spruch hätte ich noch!

Ein Freund hat mich einmal gefragt, was für mich Glück bedeutet. Ich sagte ihm Folgendes: Glück ist, den nächsten Augenblick zu erleben. Das wissen auch die Tage, vor allem der letzte Tag eines Jahres. Bis dann!

Gesamt
0 von 5 Sternen bei 0 Abstimmungen.
Deine Bewertung:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.