Die Aktivistin

Man hat so manchmal seine Vorteile, wenn man für den Preußischen Anzeiger schreibt. Man bekommt Bücher zugeschickt, mit der Bitte sie zu lesen und die Meinung kundzutun. Das setze ich meist um, wobei bei mir 3 Dinge wichtig sind:

1. Das Buch muss leicht zu lesen sein.
2. Das Buch sollte spannend sein.
3. Das Buch sollte sich bei der Fahrt zur / von der Arbeit lesen lassen, also im Zug, im Bus oder auch gern in der Pause.

Diese 3 Grundlagen beherzigt “Die Aktivistin” von Thomas Sailer. 276 Seiten Lesevergnügen zu 15,00€.

Der Inhalt: Es geht um die österreichische Studentin Johanna, die mit einem kleinen Blog eine Europarevolution startet, weil die EU-Kommissare das Bargeld abschaffen will. Mama übernimmt das Duckmäusertum, Papa will sein Bargeld behalten – aber unternimmt nichts gegen die Planungen aus Brüssel. So steht Johanna ganz allein – oder doch nicht?
Durch Fügungen des Autors knüpft eine kleine Widerstandsgruppe Kontakt zu ihr und sie wird das PR-Gesicht, eine Aktivistin, gegen das EU-Ungetüm und seinem bargeldlosen Alptraum. Jeder folgende Schritt sollte von nun an überlegt werden, doch eine fremde Vergangenheit wird zum Verhängnis für die Studentin – und sie landet im Knast. Natürlich nicht als politischer Häftling, sondern als … Ja, was eigentlich. Das Ende ist ein positiver und zeitgleich negativer Endgesang, der schon heute Realität hat…

Die Geschichte selbst ist gut geschrieben, Johannas Liebe zur Natur, ihre Studienzeit nimmt phasenweise weiten Raum ein, der zum Anfang wenig Sinn zu entnehmen ist, doch zum Ende des Buches eine größere Rolle spielen wird. Der politische Inhalt ist gut gewählt, aber leider nicht vollständig ausgearbeitet. Bei einer Bargeldabschaffung geht es eben nicht nur um Schwarzgelder, um die Finanzübersicht; sondern um viel mehr. Dies vergisst Sailer leider und geht immer wieder nur auf die beiden Punkte ein. Ich hätte mir als Leser mehr Informationen gewünscht, welche Vor- und Nachteile die Bargeldabschaffung hat. Diese Mehrseiten hätten dem Buch nicht geschadet. Da wir gerade bei der Kritik sind, das letzte Drittel vermisst das Ausschweifen der ersten Seiten. Gerade im Gefängnisalltag, in der Gedankenwelt Johannas und der Gedankenwelt der Mitstreiter und Widersacher hätte es in diesen Tagen doch Gedanken, Überlegungen und Taten geben müssen, die unbedingt ins Buch gehört hätten. Dafür ist das Ende des Buches überraschend. Um nichts vorwegzunehmen, ein Erfolg im Plan ist eben kein Erfolg.

In Zeiten wie HoGeSa und PEGIDA, in Zeiten der neuen Montagsdemos, ein Buch, das sich Freunde und Unterstützer aber auch Gegner besorgen sollten. Auch und gerade, weil viele gesellschaftliche Klassen und Orte in Ost (Tschechien) und West (Österreich) aufgezeigt werden. Auch für Blogbetreiber ist das Buch ein guter Lesestoff. Ganz nebenbei beschreibt Sailer gute PR- Maßnahmen für einen eigenen Blog, der zuerst durch kostenfreie Möglichkeiten aufgebaut werden kann. Aber im Besonderen, weil der Roman die Machenschaften von Politik und seinen Handlangern – von Staatsanwaltschaft bis Polizei – aufzeigt, weil Sailer es schafft, Politiker als das darzustellen was sie sind: Marionetten im eigenen System!

Mein Fazit: Das Buch lohnt. Sailer schafft es Wissen, das in ein oder zwei Sachbüchern gehört, in einen kurzweiligen Roman unterzubringen. Der Preis ist mit 15 Euro für deutsche Leser etwas hoch, doch wenn man sich sagt, man unterstützt damit einen kritischen Autor, mag man diese Euros gern bezahlen, zumal, ich wiederhole mich an dieser Stelle gern, der Inhalt des Buches durchaus die Summe wert ist.

One Reply to “Die Aktivistin”

  1. Zitat:
    “Der Preis ist mit 15 Euro für deutsche Leser etwas hoch, doch wenn man sich sagt, man unterstützt damit einen kritischen Autor, mag man diese Euros gern bezahlen, zumal, ich wiederhole mich an dieser Stelle gern, der Inhalt des Buches durchaus die Summe wert ist.”
    Da haben Sie recht Herr Ernst.
    Ich werde über einen Kauf nachdenken; danke für die Empfehlung. 🙂

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