Rassismus mit Ansage

Dieter Hallervorden Rassismus vorzuwerfen ist eine zwielichtige Sache. Doch es funktioniert. Nach 2012, als er wegen einem “Blackfacing” von der Presse angegriffen wurde, nun 2015 wegen einer BVG-Haltestelle, der Linie U2, namens “Mohrenstrasse”.

Zurück ins Jahr 2012. Damals inszenierte der bekannte Schauspieler und Kabarettist das Theaterstück „Ich bin nicht Rappaport“ von Herb Gardner. Joachim Bliese spielte Midge. Ein weisser Schauspieler stellte einen Schwarzen; vollpigmentierten Menschen afrikanischem Ursprungs; dar – das darf nicht sein. Ein kleiner Sturm entstand. Ein Sturm des Antirassismusses über Berlin.

Nun spricht Herr Hallervorden vollmundig “Mohrenstrasse” im Auftrag des staatlichen Regionalsenders rbb für die Berliner Verkehrsbetriebe. Eigentlich als Werbung gedacht, andere Schauspieler geben ebenso die Stimme für Haltestellennamen her, ist es nun der nächste Rassismusvorwurf.

Vielleicht ein wenig lächerlich? Mitnichten. So zitiert der Berliner Tagesspiegel:

Christian Kopp vom Verein Berlin Postkolonial sagt dazu: „Soll die Black Community Berlins provoziert werden, oder warum wählt man ausgerechnet diesen fragwürdigen Komiker aus, um den kolonialrassistischen Stationsnamen einzusprechen?“

Und weisst etwas später darauf hin, das die Strasse nun einmal so heisse. Und das aus gutem Grund:

Auf der Website des RBB ist auch zu finden, dass die „Mohrenstraße“ nach einer „Delegation afrikanischer Repräsentanten aus der Kolonie Großfriedrichsburg (das spätere Ghana) benannt wurde“. Mit Sklaven habe der Name nichts zu tun, sagt auch die Sprecherin der BVG.

Aber der kritische Leser ist sich sicher. Es ist doch Rassismus, nicht umsonst gibt es keinen Negerkuss mehr und der Sarottimohr ist in der Logo- und Werbewelt längst Geschichte. Richtig, wir zitieren:

“Der Straßenname geht auf den menschenverachtenden Brandenburger Sklavenhandel zurück und verletzt massiv die Würde schwarzer Menschen: Diskriminierende Fremdbezeichnungen sind nur lustig für Rassisten”, sagt Kopp.

Immerhin schlägt nun die Politik in Berlin vor, ein weiteres Schild in der Mohrenstrasse aufzustellen, an dem der Begriff erläutert wird. Ob der Mohr nun für Maure (Bewohner Mauretaniens) einst stand, ist fehl am Platze dieser Diskussion. Rassismus ist nämlich dort, wo man ihn sehen will. Bleibt zu hoffen, dass nicht demnächst der “weisse Riese” dran glauben muss….

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