Ein Vortrag bei der Preußischen Gesellschaft über die langen Wurzeln der jüngsten Kriege in Europa und im Nahen Osten von 1919-2014

Gestern Abend besuchte ich einen Vortrag bei der Preußischen Gesellschaft über die langen Wurzeln der jüngsten Kriege in Europa und im Nahen Osten von 1919-2014, der mir sehr gut gefallen hat. Gehalten hat den Vortrag Herr Prof. Dr. Münkler im Hilton. Der Eintritt war frei und der Leiter der Preußischen Gesellschaft, Herr Volker Tschapke, war so freundlich mir vor dem Vortragsbeginn ein Glas Orangensaft zu spendieren. Bei Herrn Prof. Dr. Münkler handelt es sich um einen ehrenwerten Mann, der an der Humboldt Universität jungen Studenten die Wissenschaft der Politik näherbringt. Einigen Studenten haben seine zum Teil recht konservativen Ansichten und das Buch das er geschrieben hat nicht in den Kram gepasst, weshalb sie eine Webseite ins Leben riefen, auf der gegen diesen anständigen Mann gehetzt wird. Diese Webseite, deren Namen ich hier nicht nenne, damit sie nicht noch mehr Besucher erhält, wird wahrscheinlich von anonymen Losern betrieben, die keinen Job, keine Freundin, kein Leben und daher viel zu viel Zeit für solchen Unsinn haben.
Aber darum soll es jetzt nicht gehen, sondern um Herrn Prof. Dr. Münklers Vortrag über die Krisen und Kriege der Vergangenheit und der Gegenwart.
Er erklärte gleich am Anfang, dass es einen Unterschied gibt zwischen ‘Vergleichen’ und ‘Gleichsetzen’. So erklärte er am Beispiel das man die französische Revolution von 1789 mit der deutschen Revolution von 1989 vergleichen aber nicht gleichsetzen kann. Denn es gibt zwar ein paar Gemeinsamkeiten, aber eben auch gewaltige Unterschiede. So kam es nach 1789 zu blutigen Kriegen und Massenhinrichtungen und 1989 nicht. Er erklärte weiterhin das einige Politiker und manche Kollegen von ihm scheinbar heute der Meinung waren, der arabische Frühling würde genauso ablaufen wie die friedliche Revolution 1989 in Deutschland; das heißt:
Das Volk steht auf, protestiert friedlich, die Regime treten zurück und die Länder finden ihren Weg in eine neue Zeit. Und in neue Systeme wie man sie in Europa kennt; also Demokratien.
So SOLLTE es ablaufen; aber es kam anders. Doch selbst als es die ersten Hundert Toten gab, glaubten viele sogenannte Experten, dass es doch noch so werden würde wie bei uns. Doch Herr Münkler hielt von solchen Prognosen nichts, auch wenn sie von angeblichen Kennern der arabischen Welt kamen. Er meinte es könnte auch wie 1789 kommen, anstatt wie 1989. Und so kam es ja dann auch. In Ägypten regiert jetzt ein Militär, der immerhin für Stabilität sorgt, Libyen ist (ebenso wie Syrien) ein Bürgerkriegsland und in Tunesien ist gerade so wieder Frieden und Stabilität eingekehrt. Ich persönlich sage zum arabischen Frühling: “Außer Spesen nichts gewesen.”
Und von Syrien und dem Irak will ich gar nicht erst anfangen, auch wenn Herr Prof. Dr. Münkler auf dieses Theme kurz in seinem Vortrag eingegangen ist.
Er erklärte dazu nämlich das die USA das IS-Kalifat gar nicht zerstören wollen, sondern es nur einschränken sodass es nicht weiter an Boden gewinnt. Denn dieses Kalifat ist sehr nützlich für die USA. Zum einen lockt es Tausende Terroristen auf ein begrenztes Gebiet, auf dem die US-Luftwaffe sie sogar beschießen darf und zum anderen hält es die arabische Welt in Atem, beziehungsweise hält sie beschäftigt. Und den Preis muss Europa zahlen, denn die IS-Kämpfer mit Kriegserfahrung haben zum Teil irgendwann (aus verschiedenen Gründen) das Interesse nach Europa zurückzukommen und was diese Kämpfer dann in Europa tun werden, können Sie sich ja vorstellen!
Also können wir davon ausgehen das die USA nie einen totalen Krieg gegen die IS führen werden; höchstens Luftschläge um den Machtbereich dieser Leute zu begrenzen. Und daran sieht Europa wieder einmal: Wer Freunde wie die USA hat, der braucht eigentlich keine Feinde mehr, bekommt sie aber dank der USA trotzdem!
In dem Vortrag von Herrn Prof. Dr. Münkler ging es aber nur zum Teil um die IS und den arabischen Frühling. Ein weiterer Teil seines Vortrages handelte von den Ursachen des Ersten Weltkrieges und Parallelen zur heutigen Ukraine-Krise und zu den Streitigkeiten zwischen den USA und China. Er beschreibt den ersten Weltkrieg als eine Kombination von drei mit einander verknüpften Konflikten, die so mit einander verworren waren dass es seiner Ansicht nach keinem Politiker mehr möglich gewesen wäre (selbst wenn er gewollt hätte) den Krieg zu beenden. Der erste der drei Konfliktpunkt war die Frage wer die Hauptmacht in Mitteleuropa war; Deutschland oder Frankreich. Die zweite Frage war, wer im Osten das Sagen hatte und wie Osteuropa politisch gestaltet sein sollte. Die dritte Frage war die der Weltherrschaft; welches Reich hatte Weltgeltung und welches nicht. Der deutsch/französische Konflikt drehte sich hauptsächlich um Elsaß-Lothringen und der deutsch/englische um das neutrale Belgien (dass vermutlich von Frankreich besetzt worden wäre, wäre Deutschland dem nicht zuvorgekommen) und vor allem um die deutsche Flotte und die Tatsache das Deutschland die Briten als Wirtschaftsmacht schon lange überholt hatte. Die Briten waren damals das, was heute die Amerikaner sind: Weltpolizei.
Und als Weltpolizei sahen sie sich (ebenso wie die USA heute) verpflichtet nicht nur stärker als das zweitstärkste Land zu sein, sondern stärker als das zweitstärkste UND das drittstärkste Land zusammen!
Die Frage im Osten Europas war eine ähnliche wie wir sie heute in der Ukraine haben. Dort waren einst drei Großreiche gewesen: Österreich-Ungarn, das Zarenreich Russland und das Osmanische Reich. Keines dieser drei Reiche hat den ersten Weltkrieg überlebt. Alle drei zerbrachen an ihren ethnischen Bruchstellen. Das Osmanische Reich zerbrach sogar schon vor dem ersten Weltkrieg in den Balkankriegen, wodruch Länder wie Bulgarien, Rumänien, Serbien, Albanien und Griechenland entstanden, beziehungsweise wieder entstanden. Heute kommt noch der Kosovo hinzu. Die Großreiche sind damals jedenfalls zerbrochen. Laut Herrn Prof. Dr. Münkler wird bei Gedenkveranstaltungen immer gerne gesagt: “Es gab Katastrophen wie den Weltkrieg, aber es wird sie nicht mehr geben.”
Und dann wird für gewöhnlich behauptet dies sei dank der NATO, der EU oder sonst wem so. Aber nun sind die Kriege wieder da. Und auch die Imperien kommen wieder. Das IS-Kalifat erhebt einen Anspruch auf ein Großreich vom Süden Spaniens bis nach Indien. Von Wien bis zum Süd-Sudan. Die Türkei unter Erdogan zieht auf Grund der Instabilität Syriens und des Iraks (und wegen der IS) die Möglichkeit in Betracht diese Gebiete, die einst zum Osmanischen Reich gehörten, zumindest zum Teil wieder heim zu holen. Russland unter Putin hat sich die Krim schon geholt; was auch eine logische Konsequenz aus der Politik von NATO und EU ist, denn Russland fühlt sich eingekreist. Also lässt es nicht zu dass ihm im Schwarzen Meer dasselbe passiert wie in der Ostsee und holt sich die Krim einfach. Herr Prof. Dr. Münkler sagte in seinem Vortrag: “Geschichte wiederholt sich nicht, aber man kann aus ihr lernen.”
Recht hat er.
Und er zeigt zwei Paradigmen für die Geschichte und den Umgang ihr auf: Das Schuldparadigma und das Verantwortungsparadigma. Im Schuldparadigma wird das gemacht was man mit Wilhelm II und Putin gemacht hat; es wird einfach jemandem die Schuld zugewiesen und damit hat sich die Sache. Im Verantwortungsparadigma wird hingegen genau nachgeschaut wer für was verantwortlich gemacht wird und für gewöhnlich liegt die Verantwortung ein wenig bei allen.
Gegen Ende seines Vortrages kam Herr Prof. Dr. Münkler dann noch etwas auf China zu sprechen und verglich es mit dem Deutschen Reich von vor 100 Jahren. Denn auch China ist eine Regionalmacht mit einer starken Wirtschaft, einer hohen Bevölkerung und einem Weltpolizisten der es misstrauisch beäugt; den USA, die Angst haben ihre Weltvormachtsstellung zu verlieren. Das muss meiner Ansicht aber nach nicht zwangsläufig zum Krieg kommen, denn immerhin brauchen die USA China als Absatzmarkt. Da sind 1.000.000.000 Menschen die dumme US-Filme schauen und billige Cola trinken sollen; das werden die USA und ihre Massenverblödungsindustrie sich sicherlich nicht durch einen Krieg kaputtmachen 🙂
Aber vielleicht durch einen Stellvertreterkrieg oder durch organisierte Aufstände wie in Kiew…
Auf jeden Fall wies Herr Prof. Dr. Münkler noch auf ein chinesisches Problem hin, das sehr viel Gewaltpotential bietet; nämlich das in China 35.000.000 mehr Männer als Frauen leben. Und das wirft die Frage auf: “Wohin mit diesen ledigen Männern?”
Herr Prof. Dr. Münkler erklärte das China möglicherweise ein Auge auf Ostsibirien geworfen hat, weil dort immer mehr russische Menschen wegziehen; viele Russen wollen offenbar lieber in Städten leben wo es wärmer ist.
Dort wäre theoretisch ja tatsächlich viel Platz, weswegen es theoretisch zu einem Krieg zwischen Russland und China kommen könnte. Praktisch würde dieser Krieg Chinas 35.000.000 Männer Überschuss-Problem aber nicht lösen, denn zum einen leben in Ostsibirien keine 35.000.000 Frauen und zum anderen würden sie sicherlich vor China in den europäischen Teil Russlands flüchten. Zum anderen ist es dort sehr kalt und die 35.000.000 Männer hätten dann zwar ein großes Stück Land, aber eben keine Frauen und dafür Minustemperaturen für die sich auch Importbräute nicht erwärmen könnten.
Vermutlich gäbe es nach einem Krieg mit Russland aber keine 35.000.000 ledigen Männer mehr, da viele in den Kämpfen fallen würden. Das würde zwar das demographische Problem lösen, aber dann bräuchte China Ostsibirien ja nicht mehr, womit der Krieg wiederum überflüssig wäre.
Das ganze ist also wie eine Katze die sich in den Schwanz beißt.
Aber auf jeden Fall war es ein sehr interessanter Vortrag bei der Preußischen Gesellschaft und ich freue mich schon darauf die Gesellschaft bald wieder zu besuchen. Herr Tschapke ist ein wirklich sehr netter und anständiger Mann und daher wünsche ich ihm und seiner Gesellschaft alles Gute.
Das gilt natürlich auch für Herrn Prof. Dr. Münkler; nur wünsche ich ihm noch zusätzlich das diese lächerliche Webseite, die ihn im Internet diffamiert, bald verschwindet.

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