Lieber Lutz …

Diesmal wende ich mich nicht an Herrn Bachmann, sondern an den Oberbürgermeister von Magdeburg, Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt.

Lieber Lutz Trümper,

vielleicht hast Du mich vergessen. Ich habe dich nicht vergessen. Wir haben, als ich noch in deiner Stadt lebte, gestritten und gelacht. Vor und nach Interviews für den privaten Stadtsender mdf.1, vor und nach Veranstaltungen, die die RadioNetShow übertrug.

Und ja, wir hatten in jenen Tagen andere Herausforderungen. Herausforderungen in denen wir uns nicht immer einig waren. Aber Du, das rechne ich dir hoch an, warst und bist der Kalkulator der Stadt. Anerkennend las ich in der Mitteldeutschen Zeitung:

Trümper hat bisher einen guten Job als Oberbürgermeister gemacht. Er hat seinen Etat schon saniert, da hat man in Halle noch das Haushaltsloch vermessen.

Dieser Satz ragt aus der Schmähkritik des Hallenser- und DuMont-Blattes heraus. Immerhin gabst auch du das Ziel, Landeshauptstadt zu bleiben, kein Halle zu werden, nie auf. Mögen die Hallenser “poltern” und drohen.

In Zeiten der Elbjahrhunderthochwassers warst Du nicht immer gesprächig, aber auf deine Aufgaben fokussiert. All diese Eigenschaften brachten Dir bisher die Wahlerfolge.

Deine Mitgliedschaft bei der SPD war der Türöffner, den Du nun nicht mehr brauchst. Mehr noch, seit Jahren behindert die SPD-Mitgliedschaft deine Bodenhaftung zu Magdeburg. Zu den Ängsten der Bürger. Damit meine ich nicht, die laute linke, auch nicht die rechts pöbelnde Seite des politischen Spektrums der Stadt. Ich meine damit die Einwohner am Neustädter See, in Cracau, in Stadtfeld …; die Fans vom SCM, vom FCM, die Boxsportfreunde …; die Badegäste, die MVB-Nutzer, die OK-Zuschauer … – Eben jene die Angst haben. Eben jene die sich Sorgen um die Zukunft machen. Nicht nur bei der Thematik Asylbewerberaufnahme. Sondern auch bei der sich anschliessenden Thematik: Terror, Familienzuzug – und schliesslich die leeren Kassen in Stadt und Land – und später auch wieder beim Bund. Kassen, die der arbeitende Bürger wieder auffüllen muss.

Deine Rückgabe des SPD-Ausweises konnte zu keinem besseren Zeitpunkt geschehen. Die Kandidatin Budde, die für Menschen antritt, die andere Mitmenschen als Pack, als Mob, als Horde bezeichnet, sollte sich überlegen für wen sie antritt. Für Sachsen-Anhalt oder für machtgeile Politiker? Doch dieses Denken traue ich ihr nicht zu. Zu groß ist die Versuchung an der alten Machtstellung im Lande zu kleben. Zu klein die soziale Verantwortung.

Mein aufrichtiger Dank ist dir damit sicher – trotz oft unterschiedlicher Sichtweisen. Ich hoffe, und das im Vertrauen, dass du die nun kommende – wahrlich nicht leichte – Zeit nicht nur überstehst, sondern positive Möglichkeiten umsetzt. Diese Chancen, die dir nun als parteiloser OB offenstehen, umsetzt.

Ich wünsche Dir viel Kraft – auch im Sinne deiner Mitbürger, deiner Magdeburger.

Aus dem fernen Norden,

der Ex-Wahl-Magdeburger

Hagen Ernst

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