Lieber Akif Pirincci,

an Ihnen scheiden sich derzeit die Ungeister Deutschlands. Einige lehnen Sie als Person ab, andere wollen Ihre Bücher öffentlich schreddern, wofür das nordrhein-westfälische Hamm vorgesehen war.

Auf diese Idee ist ein Buchhändler aus Hamm gekommen, der mit dieser Aktion an diesem Sonntag den 25. Oktober starten wollte. Dann überlegte er es sich doch anders. Man kann Ihnen, Herr Pirincci, nicht vorwerfen, ein Nazi zu sein, und dann, wie die Nazis, ihre Bücher öffentlich zerstören wollen. Die historische Parallele ist zu offensichtlich.

Sie, Herr Pirincci, werden kaum noch als Mensch wahrgenommen, Sie gelten vielen bloß noch als ein braunes Tuch, vor allem, als Sie am 19. Oktober bei der Pegida in Dresden eine Rede hielten.

Diese Rede kann man sich antun; das Videoportal Youtube hat sie im Angebot. Hört man Sie dort, Herr Pirincci, weiß man, was genau Sie gesagt haben. Sie wünschten keine Flüchtlinge ins KZ, Sie meinten mit Ihrem Vergleich arrogante Politiker, die Asylkritiker ins KZ brächten, läge es im Bereich ihrer Macht. Und was behaupten maßgebliche Medien, wie Spiegel oder Bild? Die verdrehen Ihnen das Wort.

Bei einer solch medialen Inszenierung denkt man an das Schlagwort der „Lügenpresse“, das durch die Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes (Pegida) bekannt wurde. Wie sehr es passt, bewahrheitet sich immer mehr. Pegida gilt als Nazi-Bewegung, als rassistisch und islamfeindlich. Ihre Ziele hat die Pegida in einem Punkteprogramm zusammengefasst, das nur leider kaum eine Rolle spielt. Stattdessen hetzen Medien gebetsmühlenartig.

Ich will keinem vorschreiben, was er wie zu sehen hat, ich stelle nur fest: Wäre offensichtlich, dass die Pegida eine Nazi-Bewegung ist und Ihre Ziele an die von Hitler anknüpfen, müssten es Medien nicht stetig behaupten. Ich hege den Verdacht, die mediale Hetze soll Bürger abschrecken. Würden die sich selbst informieren und über Pegida nachdenken, würden die sich vielleicht dort einreihen. Und dann? Ginge das Abendland unter? Begänne das 4. Reich? Ich halte solche Befürchtungen für übertrieben.

Übertrieben sind auch die Vergleiche von Ihnen, Herr Pirincci. In Ihrer Pegida-Rede vergleichen Sie die Politiker mit „Gauleitern“. Politiker sind „Gauleiter“? Pegida ist eine „Nazi-Bewegung“? Und Medien ist wichtiger zu hetzen, als zu informieren? Wir leben in hässlichen Zeiten.

Ihre Wortwahl, Herr Pirincci, lässt vermuten, Ihnen geht es nicht um ehrliche Kritik an Missständen in Deutschland. Sie wollen Aufmerksamkeit, Sie wollen prominent sein. Und Ihre Gegner, vor allem Linke, plustern sich als Superdemokraten auf, obwohl Linke den Staat abschaffen und Sozialismus errichten wollen. Ich wünsche mir weniger Inszenierung und Selbstdarstellung, ich wünsche mir wieder normale Zeiten! Ich wünsche mir gesunden Menschenverstand als gesellschaftliches Ideal zurück.

Stattdessen boykottiert der Buchhändler Amazon, laut Eigenaussage, all Ihre Bücher, Herr Pirincci. Als Begründung gibt der Buchhändler Ihre Pegida-KZ-Rede vom 19. Oktober an. Sie gelten bundesweit als Reizfigur, dem der Verkauf seiner Bücher erschwert werden soll. Gag am Rande: Buchhändler geben an, Ihre Bücher lägen wie Blei in den Regalen. Wir halten fest: Was Sie schreiben, wissen viele nicht, was Sie sagen, hören viele nicht, alle wollen aber wissen, dass eine Verbannung Ihrer Bücher gut ist. Das klingt mir nach: Ich bin gegen Zensur, aber …

Wir leben in einer Zeit, in der unsere Daten vom Staat gespeichert werden. Der Staat interessiert sich, mit wem wir wann telefonierten, mit wem wir wann chatten und welche Kontakte wir haben. Wir leben in einer Zeit, in der die Bildzeitung einen öffentlichen Pranger einführt, indem sie Leute mit Klarnamen und mit Bild veröffentlicht, die in sozialen Netzwerken, wie Facebook, Meinungen gepostet haben, die als missliebig gelten. Heute muss man darauf achten, was man am Telefon sagt und was man im Netz schreibt. Überall lauern Meinungswächter. Der Geist der untergegangenen DDR lebt in der BRD fort.

Ihr erstes Sachbuch hieß: „Deutschland von Sinnen“. Der Titel war gut gewählt. Deutschland ist von Sinnen und Sie, Herr Pirincci, stehen im Zentrum dieses Wahnsinns.

Immerhin bleibt Ihren Büchern der Schredder erspart. Vorerst.

Ihr

Wolfgang Luley

http://www.wa.de/hamm/nach-pegida-auftritt-buchhaendler-hamm-werken-umstrittenen-autors-pirinci-umgehen-5675685.html

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