Liebe Lügenpresse,

heute schreibe ich einen Brief an mich selbst. Ja, auch das muss sein, denn, ich habe gelogen.

“Wir sollten solche Attentate wie in Paris nicht als Islamhass ausschlachten, sondern als einen Teil unseres Lebens akzeptieren, um die Integration unserer Muslimischer Mitbürger nicht zu gefährden.” Dieses Zitat hatte ich Kanzlerin Merkel unterstellt. Hintergrund war das islamistische Attentat auf die Satirezeitung “Charlie Hebdo” im Januar 2015. 10 Monate später, am 13. November, schlugen nun in Frankreich erneut islamistische Terroristen zu. An sechs verschiedenen Orten verübten sie Anschläge. Verständlich, dass Betroffene, panisch, traurig und entsetzt reagieren. Mein Zitat machte die Runde.

Kluge und kritische Facebook-Nutzer forschten nach, wann und wo Angela Merkel dieses Zitat gesagt haben soll. Ergebnis: Der auf Facebook bekannte Satiriker Uwe Ostertag hatte es ihr untergeschoben. Allerdings, und das ist wichtig, hatte er es als Satire gekennzeichnet. Er schrieb: “In Satira Veritas by Uwe Ostertag.”

Ob ich diesen Hinweis übersah oder nicht sehen wollte, kann ich jetzt, 10 Monate später, nicht mehr eindeutig sagen. Es spielt auch keine Rolle, da ich falsch zitierte und so Teil der “Lügenpresse” wurde. Ich schäme mich, dass mein Zitat volle 10 Monate im Netz stand, ohne dass ich es überprüft habe. Ich werde mein Fehlverhalten nicht entschuldigen. Wer mich jetzt nicht mehr ernst nimmt, hat recht. Ich werde mich auch nicht verteidigen. Warum auch? Ausreden dulde ich bei anderen nicht und bei mir erst recht nicht.

Im Oktober erst hatte der Autor Akif Pirincci eine Rede gehalten, in der er von Medien, wie der Bild oder dem Spiegel, beschuldigt wurde, er hätte Flüchtlinge ins Konzentrationslager gewünscht. Seine Rede war, auf dem Videoportal Youtube, für jeden öffentlich einsehbar. Ich habe die Medien deshalb als “Lügenpresse” bezeichnet. Inzwischen korrigierten sich die Medien. Hätten sie sich gleich besser informiert, hätten sie nicht lügen müssen. Ich bin aber nicht besser als sie.

Was ich aber tun kann, ist, mich bei meinen Lesern und Frau Merkel zu entschuldigen. Entschuldigt bitte meinen Fehler, ich habe euch belogen. Es tut mir leid, dass ich ein falsches Zitat verwendet und nicht überprüft habe. Auch bei Herrn Ostertag entschuldige ich mich, dass ich seinen Hinweis einfach nicht gesehen habe. Wenn hier einer Schuld trägt, bin das ausschließlich ich.

Ich werde ab jetzt Zitate überprüfen.

Euer

Wolfgang Luley

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2 Replies to “Liebe Lügenpresse,”

  1. Eigentlich haben Sie nicht gelogen, sondern sich nur geirrt Herr Luley. Das ist schlimm, kann aber passieren.
    “Lügen” wäre jedoch gewesen, wenn Sie bewusst etwas falsch erzählt hätten, wie es die Lügenpresse ständig tut.
    Daher zähle ich Sie auch nicht zur Lügenpresse dazu.

  2. Ein Mißverständnis ist keine Lüge 😉
    Aber egal wie man es nennen will – zumindest haben Sie die E*** und den Anstand, Fehler ohne Ausreden einzusehen und einzugestehen. Eine Tugend, die ich bei unserer Presse vermisse.
    So warte ich immer noch darauf, dass diese über die von Ihnen angesprochene billige Lüge bzgl. Pirinccis Ansprache eine ebenso deutliche Klarstellung veröffentlichen, wie Sie es hier tun.

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