Uwe Siemon-Netto: An meine deutschsprachigen Leser

Entnommen aus einem Kommentarstrang bei Facebook, mit freundlicher Genehmigung. Der Ansatz zur Veröffentlichung auf den Seiten des Preußischen Anzeigers liegt bei dem kommenden Beitrag vor allem in Sinne der Pressefreiheit – und wie diese, auch auf vornehmlich staatlich unabhängigen Seiten, mehr und mehr verschwindet… : 

Den folgenden Kommentar schrieb ich letzten Sonnabend für Idea. die Präses der EKD-Synode, Irmward Schwätzer, drohte daraufhin dem idea-Chefredakteur Helmut Matthies mit einer Klage vor dem Deutschen Presserat.Daraufhin distanzierte sich Matthies, ohne mich zu unterrichten, von diesem Beitrag, den er selbst bestellt und abgesegnet hatte.

Unten der Kommentar, dann mein Rundschreiben

Ein blutiges Ausrufzeichen nach der EKD-Synode

Uwe Siemon-Netto

Zwischen Bremen und Paris liegen 651 Kilometer Luftlinie. Blicken wir aber auf das, was fast zeitgleich in diesen beiden Städten geschah, dann scheinen sie in verschiedenen Universen zu liegen. Oder doch nicht? Das Massaker von Paris steht wie ein blutiges Ausrufzeichen hinter dem Gutmenschenkitsch, den sich Teile der EKD-Synode in punkto Islam gönnten. Man ist versucht, Psalm 2,4 zu zitieren: „Aber der im Himmel wohnet, lachet ihrer, und der Herr spottet ihrer.“ Da konstatierte doch der Bischof Markus Dröge vor der Synode seiner Kirche in Berlin, dass Christen Muslime nicht zum „Missionsobjekt“ machen dürften; da hatte zuvor schon eine Oberkirchenrätin aus Düsseldorf auf die Frage nach der Aktualität des Missionsauftrages Jesu geantwortet, man dürfe den Muslimen doch jetzt nicht auch noch den Glauben wegnehmen. Wir möchten mit Gott lachen aber können es nicht. Eher passt die Reaktion des Berliner Malers Max Liebermann (1847-1935) auf eine andere Form von Totalitarismus: „Ick kann janich so ville fressen wie ick kotzen möchte.“

Der Bischof, die Oberkirchenrätin und die ihnen zunickenden EKD-Quietisten seien gefragt: Wann haben Sie das letzte Mal in den Koran geblickt? Wann in die Zeitungen, die seit Jahren über die Gräuel des Islamismus berichten: wie er Andersgläubige köpft, kreuzigt, vergewaltigt, entführt? Das war alles weit weg. Jetzt geschieht es nur 651 Kilometer von Bremen entfernt. „Dieser Anschlag… meint uns alle und trifft uns alle“, sagte Angela Merkel, und sie hatte Recht.

Ach, das war alles nicht im Sinne des Erfinders? Doch, Herr Bischof, Frau Oberkirchenrätin! So steht’s im Koran. Entsinnen Sie sich noch aus Ihrem Theologiestudium des sola scriptura-Imperativs? Die Heilige Schrift ist der höchste Maßstab aller Lehre und Praxis. Nun ermahnt die heilige Schrift der Muslime diese aber nicht zur Feindesliebe, sondern ruft sie auf: „Erschlagt (die Ungläubigen), wo immer ihr auf sie stoßt“ (Sure 2, Vers 191) und: „So haut ein auf ihre Hälse und haut ihnen jeden Finger ab“ (Sure 8, Vers 12). Ähnliches ist im Koran an über hundert Stellen zu lesen. Die Mörder von Paris haben sich an den sola-scriptura-Grundsatz gehalten; sie unterwarfen sich der Autorität der heiligen Schrift – aber eben nicht unserer heiligen Schrift, sondern ihrer. Und ihren Glaubenssätzen sollten wir im Umgang mit Muslimen nicht unsere gegenüberstellen dürfen?

Spätestens nach Paris muss mit dem deutschen Protestantengesäusel zum Thema Islam Schluss sein. Niemand fordert, dass Muslime zur Konversion genötigt werden. Wir Christen haben eine viel mächtigere Waffe für den Umgang mit ihnen, nämlich das Wort des lebendigen Gottes. Dieses Geschütz bellt nicht wie Kanonen und tötet niemanden. Es ermahnt lediglich uns alle, auch die politisch-korrekt verwirrten Kleriker in den EKD-Gliedkirchen: „Gehet hin und lehret alle Völker, taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Matthäus 28,19).

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Liebe Freunde und Mitchristen,

mein beigefügter Kommentar erschien am 14. November im idea-Pressedienst. Er wurde aber am Montag wieder herausgenommen, so dass nur noch die Übersicht auf der ersten Seite darauf verweist, der Text jedoch fehlt. Auch in idea-Spektrum wurde er nicht veröffentlicht. Idea-Leiter Helmut Matthies, der diesen Beitrag bestellt hatte, hat mich weder telefonisch noch per Email davon informiert, dass und warum er dieses Stück kippen würde. Nachdem ich heute in mehreren Emails nach diesen ungewöhnlichen Vorgang gefragt wurde, will ich jetzt versuchen, seine furchterregenden Hintergründe nach bester Kenntnis zu erläutern.

Ich schicke voraus, dass ich Herrn Matthies, abgesehen von seinem Mangel an guter kollegialer Sitte, dies nicht übel nehme, weil ich inzwischen folgendes erfahren habe: Die Präses der EKD-Synode, Irmgard Schwätzer, hatte bei ihm am Montag angerufen, ihm eine Verleumdung der Synode vorgeworfen und mit dem Presserat gedroht. Es gibt offensichtlich auch Bestrebungen, die jährlichen EKD-Subventionen von 130.000 an idea zu streichen. Im Internet forderte dies jedenfalls ein Staatssekretär unter Hinweis auf meinen Kommentar. Ein Pfarrer forderte Matthies auf, sich für diesen Beitrag zu entschuldigen, und Herr Matthies tat dies denn auch in einer “Stellungnahme” (siehe unten), die ich im Internet fand. Dass er mich weder vorher konsultierte noch hinterher informierte, halte ich zwar für feige und menschlich verwerflich, sehe es ihm aber nach, weil es zeigt, unter welch’ unmenschlichen Druck er von einflussreichen Leuten in gestellt wurde, die sich für Christen halten.

Ich kann Helmut Matthies’ finanzielle Gründe nachvollziehen, auch wenn ich sie theologisch für nicht vertretbar halte, weil ich ja in meinem Kommentar (!) nichts anderes tat, als mit spitzer Feder die Evangelische Kirche aufzufordern, in dem jetzt tosenden Dritten Weltkrieg ihr mächtiges Geschütz aufzufahren, nämlich das εὐαγγέλιον, auf das sie sich schließlich ihr Name beruft, den nach Deutschland strömenden Muslimen anzubieten. Dies lässt sich nicht mit neuprotestantischem Gestammel à la “Hmmm, ich denke mal” bewältigen sondern nur wie Christus uns geheißen: “Gehet hin und lehret alle Völker…”

Es ist bedauerlich, dass es mir nicht vergönnt war, mit Frau Schwätzer diesen Strauß vor dem Deutschen Presserat auszufechten, denn sie hat auf totalitäre Art in die redaktionelle Arbeit eines Presseorgans eingegriffen, hat einen Kommentar unterdrückt, also gegen die Meinungsfreiheit verstoßen (Grundgesetz Artikel 5, Absatz 1, Satz 1), und einen Chefredakteur erpresst. Dass dieser sich erpressen ließ, entspricht einer tragischen Tradition selbst rechtgläubiger Christen in Deutschland. Wie Dietrich Bonhoeffer 1943 schrieb: “Was steckt eigentlich hinter der Klage über die mangelnde Civilcourage? Wir haben in diesen Jahren viel Tapferkeit und Aufopferung, aber fast nirgends Civilcourage gefunden, auch bei uns selbst nicht.”

Liebe Freunde, mich schaudert’s angesichts der schwarzen Wolken, die allenthalben aufziehen. In seinen Reden über das Vaterunser sprach Helmut Thielicke in den Jahren 1944-45 von einer “Schuldlawine, die in der Geschichte der Völker immer mehr anschwillt …. ein Schuldverhängnis brütet über der Welt, über ihren Kontinenten und Meeren.” Diese Lawine hat wieder einmal die Evangelische Kirche in Deutschland erfasst, obwohl sie zweifellos diesen Gedanken empört von sich weisen wird. Kyrie eleison!

Uwe Siemon-Netto

PS: Helmut Matthies’ Entschuldigung: “STELLUNGNAHME idea hat einen Kommentar des Theologen und Journalisten Dr. Uwe Siemon-Netto veröffentlicht. Der Beitrag hätte in dieser Form nicht publiziert werden dürfen. Dafür entschuldige ich mich! Ich habe veranlasst, dass dieser Kommentar nicht in ideaSpektrum veröffentlicht und aus dem Netz genommen wird. Er ist leider in seiner Wortwahl und in seinem Vergleich unangemessen und falsch.Helmut Matthies, Leiter der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar)”

Bitte leiten Sie diese Nachricht an jene unter Ihren Freunde und Bekannten weiter, denen Sie meinen Kommentar am letzten Sonnabend geschickt hatten.

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7 Replies to “Uwe Siemon-Netto: An meine deutschsprachigen Leser”

  1. Vielen Dank, dass Sie dies veröffentlicht haben. So ist mein Kommentar wenigstens noch im internetbzu finden, nachdem nicht nur idea sondern auch kath.net und die Evangelische Allianz ihn von ihren Webseiten genommen haben, so als hätte ich mit meinem polemischen Hinweis auf Matthäus 28, 19-20 — Polemik hat schließlich eine alte literarische Tradition — Pornographisches kundgetan.

    1. Sehr geehrter Herr Siemon-Netto,

      am 15. habe ich Ihren Kommentar auf meinem Blog veröffentlicht. Kann ich diesen Ihren jetzigen Brief /Stellungnahme auch veröffentlichen?

      Ich finde es ungeheuerlich, was in diesem Staat vor sich geht und weiß nicht, wie ich damit umgehen soll.

      In der Seele tut es mir weh. Es kommen schlimme Zeiten auf uns zu. Sehr schlimme.

      Seien Sie behütet! Der Herr schützt Seine Kinder!

      Liebe Grüße
      Janchen

      1. Sehr geehrte Janchen,
        ich bin nicht Herr Siemon-Netto, dennoch denke ich, dass es kein Problem geben sollte, da bereits einige Seiten auf diesen Beitrag reagierten. Von Spiegelkritik über unten aufgeführte Pingbacks. Die Macher des PAs würden sich jedoch freuen, wenn Sie unsere Seite, als Quelle, angeben könnten.
        Mit bestem Gruß Hagen Ernst (Herausgeber)

        1. Na, auch gut.

          Ich denke, Sie geben die Kommentare ohnehin weiter.

          Und natürlich gebe ich die Quellen immer mit an. Es gab bereits mehrfach Versuche, meinen Blog platt zu machen….

          Liebe Grüße & der Herr möge Sie genauso behüten!

          Janchen

        2. Lieber Herr Hagen,

          elbstverständlich können Sie meinen Kommentar in Ihrem Blog veröffentlichen, allerdings unter der Maßgabe, dass dies nicht in einem politischen Kontext geschieht. Als bewusster Lutheraner bin ich bemüht, zwischen den “beiden Reichen”, dem geistlichen und dem weltlichen, streng zu unterscheiden. Ich habe diesen Beitrag für eine christliche Zeitschrift geschrieben, um die EKD polemisch an ihre Pflicht als Kirche zu erinnern. Würden meine theologischen Argumente nun mit zeitlichen vermengt, verlören sie ihre Schlagkraft. Das wil ich unbedingt vermeiden. Wenn ich mich mit dem Staat streiten will, werde ich dies in anderer Form und auf einem anderen Forum tun.

          Herzlich, Ihr Uwe Siemon-Netto

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