Pinocchio und die neue Volkspartei

Die Alternative für Deutschland, kurz AfD, verliert ihr Zauberwort. Der SWR möchte auf den Zusatz “rechtspopulitische Partei” in diesem Zusammenhang verzichten. Ein Schock, für so manchen AfD’ler. Was ist die AfD dann noch Wert, wenn sie nicht einmal mehr im Staatsfunk geschasst wird?

 

Andererseits sieht sich nicht nur die AfD selbst als – zumindest Teil- – Volkspartei. So wird sie seit ihren Anfangstagen von der Presse hofiert. Ob bei der politischen Lachsendung von Stefan Raab oder bei den Redesendungen von ARD und ZDF: die AfD ist dabei. Zu Luckes, wie auch zu Petry-Zeiten.

Und es wundert sich kaum noch jemand, wenn CDU-Abgeordnete ihrer Partei den Rücken kehren und ihre Aufnahme in der Partei, die sich selbst einmal als blaues Wunder, als Partei der Wahrheit deklarierte, erbetteln. Die AfD ist längst angekommen: beim Wähler, bei den Medien. Immerhin schaffte es die AfD trotz den Zusätzen “Völkisch”, “rechts”, “rechtspopulistisch” und verzerrten Mediendarstellungen bei bundesweiten Umfragen die 10% Hürde zu überspringen. Nur selten wird jedoch gefragt, woher sie das Wählerpotential ziehen und nur selten fragt sich der Wähler was die AfD nun eigentlich ist.

Eine Art FPÖ? Und damit doch nur eine weitere, gänzlich wertfrei ausgedrückt, Systempartei? Immerhin läuft sie im System mir und nutzt dieses.

Eine Anti-Partei? Also eine Partei die erst einmal dagegen ist, weil andere dafür sind?

Oder doch eine Volkspartei? Weil sie Meinungen des Volkes in die bisher oft taube Politik bringt?

Bei genauer Betrachtung ist die AfD von jedem etwas. Ein bisschen systemkritisch, ein bisschen populistisch, ein bisschen rechts. Mit einem bisschen von allem ist jedoch keine Revolution zu machen. Und so darf die Chefin Dr. Petry auch im Staatsfernsehen das Staatsfernsehen als Pinocchio bezeichnen, um das Wort Lügenpresse zu umgehen. Und ein bisschen Humor möchte damit Petry auch gleich erschaffen.

Das, mittlerweile veraltete, dennoch lesenswerte Buch “Alternative für Deutschland oder Alternative gegen Deutschland“, das die Anfänge der AfD zur Gründung beleuchtete, Tendenzen und Ausrichtungen aufzeigte und von AfD-Mitgliedern beschimpft, bemängelt und verrissen wurde, erklärt die heutige Medienaffinität der AfD. Dazu braucht es keinen Lucke. Gauland, Adam und viele andere in der Partei wissen, wie man mit den staatstreuen Medien umgeht und das “bad PR” “good PR” ist. Ein Sachverhalt der damals, 2013, schon herausgearbeitet wurde und im nachhinein sich als völlig richtig herausstellte. Auch andere Entwicklungen wurden vorhergesagt. Doch zurück zur aktuellen Debatte:

So ist die AfD durchaus wichtig, um in der Politik ein weites Spektrum abzubilden. Jedoch wird auch die AfD die Probleme der BRD und die Probleme des deutschen Volkes nicht lösen können. Mit wohlgemeinten Redesendungen, Interviews ist dies nicht getan. Mit Abgrenzungen zu anderen ebenso nicht. Es wird sich herausstellen, ob die AfD ihrem Namen gerecht wird. Der erste Schritt ist bereits getan:

Statt nur “Dagegen” zu sein, propagiert die AfD Lösungen aus ihrer Sicht. Jetzt fehlt nur die Erklärung, wie man diese Lösungsansätze umsetzen will. Und ab diesem Moment wird es heikel.

Doch die AfD sollte nun nicht im Höhenflug verbleiben, sondern eine Sache ganz anders machen, damit man eine echte Alternative wird. Einen Schulterschluss suchen, zwischen un-er-hörten Bürgern und Verbänden, ihrer Basis und ihrer Parteipolitik. Denn es gibt keine Alternative für Deutschland. Deutschland sollte Deutschland bleiben.

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