Lieber Lutz Bachmann,

liest man in Zeitungen, etwa in der Morgenpost, über Sie und Ihre Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes (Pegida), gibt es nur ein Thema: Bachmann verbreitet Hass.  Zwar ist das nicht verboten, es dient aber zur moralisierenden Diskussion, an dessen Ende Sie als Sünder, als ein neuer Hitler erscheinen. Vielleicht mögen Sie ein Sünder sein. Wen trifft denn nicht irgendeine Schuld – und sei sie noch so gering? Aber das ist nicht der Punkt; warum muss bei uns jede Diskussion immer gleich grundsätzlich und grundsätzlich moralisch ausarten?

Am 07. Dezember hatten Sie Redner von der flämischen Partei Vlaams Belang eingeladen, die auch gleich das gesagt haben, was Pegida-Anhänger gerne hören: “Wer Koran sät, wird Dschihad ernten.” Oder auch: “Burka, Koran und Scharia stehen im Widerspruch zum Prinzip der Gleichheit von Mann und Frau.” Für linke Blätter, wie der Morgenpost, war klar, dass mit solch Aussagen gegen den Islam gehetzt wurde – und tatsächlich hat die sächsische Polizei Ermittlungen wegen Volksverhetzung in die Wege geleitet. Über den Ausgang darf man gespannt sein.

Was ich interessanter fand, waren die Ausschreitungen der Linksextremen, über die kaum berichtet wurde. Offenbar gilt es bei uns im Land als gewöhnlich, dass Linke Polizisten angreifen und den Staat beleidigen und gegen jeden hetzen, der nicht in ihr Weltbild passt. Gerechterweise erwähne ich aber, dass auch ein festgenommener Linker mit Ermittlungen rechnen muss, Widerstand gegen die Polizei und Beleidigung. Für mich sind die montäglichen Pegida-Veranstaltungen Bühnen für selbternannte Demokraten und Linksextremen, also Demokratiefeinden, die anderen vorwerfen, die seien Feinde der Demokratie, damit nicht auffällt, wie demokratiefeindlich sie selber sind. Und so auf Werbung für die eigene Bewegung hoffend.

Wenn ich der Pegida – und Ihnen – Herr Bachmann etwas vorwerfe, dann, dass nur der Islam kritisiert wird. Warum nicht Religion allgemein? Meine Losung heißt: Wir brauchen keine Toleranz unter den Religionen, wir brauchen keine Religionen! Denn, wenn man es genau betrachtet, warum sollte etwa das Juden- oder Christentum besser sein als der Islam? Mag sein, dass der Prophet Mohammed ein irrer Mörder war. Mag sein, dass er sich den Koran nur ausdachte, weil er geltungsbedürftig war, das spricht nicht für andere Religionen.  Juden und Christen töteten auch. Und?

Im 19. Jahrhundert hat der Philosoph Kant oder der Dichter Lessing anders über Religionen geredet. Sie wollten nicht mehr Religion oder weniger Religion, sie wollten Aufklärung. Wir leben im christlich geprägten Deutschland und regen uns über Moslems auf, die gleiche Rechte fordern. Sie fordern ihre Moscheen, wie Christen ihre Kirchen fordern und Juden ihre Synagogen. Ich verüble das Moslems in keinster Weise. Ernst, wenn man hinterfragt, ob unsere Gesellschaft christlich sein muss, kommt man zu anderen Fragen. Und – wie ich meine – zu den richtigen, gesellschaftlich relevanten Fragen.

Die christliche Kirche redet heutzutage überall mit. Sie hält sich zuständig für alle Fragen, ob Politik, ob Moral oder sonst ein Thema, die Pfaffen führen überall das große Wort. Schon Jesus hat gesagt, die Bibel meint dazu dies und der Papst hat dazu jenes gemeint. Blablabla. Ich wundere mich, für wie selbstverständlich wir das alle nehmen. Man stelle sich vor, eine Mutter oder ein Vater, würde sich in das Leben seiner Kinder so einmischen! Ich bin mir sicher, das würde – über kurz oder lang – zu bösem Blut führen. Aber die Kirche lassen wir unwidersprochen machen.

Sicher, es sind keine Juden und Christen, die 2015 zwei Anschläge in Paris verübt haben, die fast 200 Menschen das Leben kostete und es sind keine Juden und Christen, die zum “heiligen Kampf” gegen die sogenannten “Ungläubigen” aufrufen, wie etwa der Islamische Staat im Nahen Osten. Darüber muss diskusstiert werden. Man muss fragen, ob der Islam grundsätzlich zur Gewalt neigt oder, ob er nur von “Irren” missbraucht wird. Gleiches könnte man aber über Juden und Christen sagen. Haben sie ihre Religionen nur missbraucht oder nur streng befolgt? Ja, das kann man fragen, man kann sich aber ebenso fragen, was aufgeklärtes Denken bedeutet und wie unsere Gesellschaft aufgeklärter sein könnte. Wollen wir Toleranz unter den Religionen oder deren Abschaffung?

Freiheit ist die Entscheidung, keine Religion zu wollen und nicht, zwischen Religionen zu wählen. Nur sind wir leider ein Land, das schon einen Gottesbezug im Grundgesetz hat. (Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen.) Zudem berufen wir uns aufs christliche Abendland mit seinen jüdischen Wurzeln. Und damit argumentieren wir gegen den Islam. Verdrehter kann man eine Debatte um freies Denken nicht führen. Seid Aufklärer und keine Vorkämpfer für die “wahre, echte, einzige” Religion – wie immer die heißen mag.

Sie, Herr Bachmann, befriedigen mit Ihren Pegida-Kundgebungen den Unmut in einigen Teilen unsrer Bevölkerung, indem Sie jenen Stimmen geben, die sonst ungehört blieben. Etwa Islamkritikern. Das wirkt auf Zuhörer sicher wie eine Seelenmassage, doch mehr als einen therapeutischen Effekt sehe ich nicht. Man ist unter Gleichgesinnten, regt sich über Linke und Islamisten auf, klatscht sich Beifall – und dann? Dann geht man wieder nach Hause und die Presse schreibt, dass mal wieder gegen Islam und alles Fremde gehetzt wurde. Und die Einzigen, die sich echt über die Pegida freuen, sind Linke. So können sie sich als Demokraten aufspielen und für mörderische, kommunistische Ideen werben. Mit welchem Erfolg sie das tun, zeigt, dass Krawalle von Linken kaum noch erwähnenswert sind und als “normal” betrachtet werden.

Sie, Herr Bachmann, werden sicher eine andere Sicht auf die Gesellschaft und die Bedeutung Ihrer  Pegida haben – das sei Ihnen unbenommen. Aber ich weiß nicht, was die Pegida bringen soll. Sie ist in Westdeutschland gescheitert und im Osten dreht sie sich im Kreis. Sollte man stattdessen zu Hause auf der Couch bleiben? Nein, das ist keine Alternative. Man könnte aber über Religionen anders als wie bisher reden und man könnte die Rollen der Kirchen hinterfragen. Dazu müsste man sich aber vom Abendland mit seinen jüdischen Wurzeln lösen. Man müsste erst sich selbst ändern, dann all die anderen.

Ich weiß, ich habe leicht reden. Ich habe keine Pegida auf die Beine gestellt, aber, ich habe an meiner Einstellung gearbeitet. Das wiederum kann ein jeder, egal wo und wann.

Zum Schluss ein Gag. Religionskritik war ein Urthema der Linken, was Linke aber vernachlässigen. Da Sie, Herr Bachmann, unbedingt Linke ärgern wollen, nehmen Sie denen ihr Urthema weg. Das wird die sicher ärgern. Ein Versuch ist`s Wert!

Ihr

Wolfgang Luley

 

https://mopo24.de/nachrichten/islam-hetze-auf-pegida-demo-32075

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One Reply to “Lieber Lutz Bachmann,”

  1. Vielleicht ist das Christentum ja deshalb eine gute Religion, weil die große Mehrheit der Christen sich an das Gebot “Du sollst nicht töten” hält.
    Ein simples Gebot Gottes, welches keinen allzu großen Spielraum für Interpretationen zulässt.
    Und im Übrigen denke ich schon das der Mensch Religion braucht. Ich kann diesbezüglich nur für mich sprechen, aber ich bin sehr glücklich mit meiner Religion.

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