Frohe Weihnachten!

An dieser Stelle wünsche ich allen Freunden und Unterstützern frohe Weihnachten. “Wie, es ist Weihnachten?” werden sich jetzt so manche fragen. Jedenfalls ging das mir heute früh so als ich bei gut 18°C und strahlendem Sonnenschein aus dem Haus bin. An der ersten Kreuzung stand ein 3er BMW mit offenen Scheiben neben mir. Laut dröhnte eine orientalisch klingende Musik aus dem Fahrzeug über die ganze Straße. Am Supermarkt merkte man dann schon eher, dass es Weihnachten ist. Im Schaufenster und den Regalen blinken die grellen Weihnachtslichter in allen Farben. Das Radio spielt Weihnachtslieder aus aller Welt hoch und runter. Unterbrochen wird das nur durch die Nachrichten. Ein Polizist wurde in Hessen erstochen, heißt es da nüchtern und fast nebensächlich. Er starb noch an Ort und Stelle. Sein Kollege, der mit ihm auf Streife war, liegt schwer verletzt im Krankenhaus. Nebenbei kommt noch etwas über Asylante… äh “Flüchtlinge”. Wenn man das Problem anders bennent ist es ja nur noch halb so schlimm…

Eine größere Menschenmasse drängte sich um 13 Uhr am Eingang. Ganz entsetzt darüber, dass ein Marktangestellter erklärte, wir schließen gerade, es ist Weihnachten. Fast schon Panik erfasste da die kopftuchtragende Gruppe Frauen und die Ansammlung halbstarker Jugendlicher, die wohl noch dringend etwas einkaufen mussten. Lautstarkes Geschrei ertönt von den beiden Gruppen. Ich gehe daran vorbei und zum Auto. Viel verstehe ich nicht von dem, was sie da sagen. In Deutsch sind nur die wenigsten Worte. Ich denke dabei nur, was würde passieren wenn es einen Lebensmittelengpass gäbe? Bürgerkrieg? Und dann fällt mir der tote Polizist aus dem Radio ein. Ermordet von einem betrunkenen Drogenjunkie, nur weil er sich für die Sicherheit seiner Mitmenschen einsetzen wollte. Viele andere Polizisten stehen heute auf ihren Posten in den Ghettos unserer Großstädte und verrichten ihren Dienst, wie auch sonst immer. Und sie riskieren ihr Leben damit. Raubüberfälle, Bandenkriege, Massenschlägereien und sogar Schießereien – Alltag in den Straßen. Dann die Proteste in den Asylheimen. Klar, die Flüchtlinge, die von Krieg und Verfolgung flohen sind froh um eine sichere Bleibe und über alles glücklich. Ihnen muss man helfen! Die meisten sind aber Wirtschaftsflüchtlinge und Glücksritter. Diese Menschen wurden zu Millionen hier her gelockt von Schlepperbanden und einer falschen Politik der europäischen Länder. Sie träumen hier von Reichtum und Wohlstand. So hat man es ihnen auch versprochen. Nun bleibt der aus. Die Realität sind überfüllte Massenunterkünfte und überforderte Betreuer. Das bringt die Stimmung zum kochen und die Wut unter den Wirtschaftsflüchtlingen wächst. In Mannheim protestieren sie regelmäßig für eine sofortige Anerkennung des Asylstatus, mehr Taschengeld und besere Unterkünfte. Polizeieinsätze sind im Stundentakt notwendig, wie Angestellte aus den Asylkasernen Mannheims mir mitteilen.

Mit diesen Gedanken gehe ich weiter zum Auto, vorbei an einem alten Mann, der gerade einen Mülleimer nach Pfandflaschen durchsucht. Ihn hat der Staat vergessen. Die Gesellschaft auch. Für ihn gilt das Geschwetz von Toleranz und Willkommenskultur nicht. Keine freiwilligen Helfer, die sich zur Schau stellen und der Welt zeigen wollen was für gute Menschen sie doch sind, drängen sich um ihn. Das ist die Schattenseite der heuchlerischen Helfer, die sich nur für Fremde interessieren. Die vielen in Armut lebenden Kinder in unserem Land und die Menschen ohne Perspektiven und Zukunft in den multi-kulturellen Ghettos interessieren sie auch nicht. Es wirkt paradox. Eine Welt der Gegensätze. Nichts ist wie es scheint. Und irgend wie wirkt es, wie eine Theateraufführung. Wie eine Welt, die gerade unter geht. Die letzten Züge einer Gesellschaft, die sich noch einmal in eine heile Scheinwelt flüchten will um noch ein paar Tage länger nicht daran denken zu müssen, dass das böse Erwachen kurz bevor steht. Gespenstisch ist das alles. Dann grüßt mich sogar der Nachbar und wünscht frohe Weihnachten mit einem aufgesetzten lächeln. Eigentlich ein überzeugter Toleranz-Prediger der keine Gelegenheit auslässt gegen böse Nazis zu demonstrieren und mich nie eines Blickes würdigt. Aber heute ist ja Weihnachten. Wenigstens da muss noch einmal der Schein der heilen Welt gewahrt werden. Vielleicht zum letzten mal. Wer weiß, was nächstes Weihnachten ist. Heute vor einem Jahr hätte auch noch niemand gedacht, dass es an Heiligabend 18°C wird und wir mit offenem Dach heim fahren.

Eigentlich wollte ich gar keine Weihnachtsworte schreiben dieses Jahr. Eigentlich wollte ich etwas Ruhe über die Feiertage. Etwas vom Stress der anstengenden Monate, die hinter mir liegen, abschalten. Doch dieser Tag zeigte mir eines: In diesen wirren Zeiten wird oft das Unmögliche zur Realität. Nie war die Zukunft ganz Europas so ungewiss. Nie lag Chance und Untergang so nah zusammen. Um so wichtiger ist es, nie die Hoffnung zu verlieren und geradlinig durch alle Widerstände hinweg weiter zu machen. Was unmöglich ist, wissen wir erst, wenn wir es versucht haben. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

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