„Nett-Werk Köln“ macht dicht

Zumindest vorübergehend schliesst die Facebookgruppe „Nett-Werk Köln“ und kapituliert damit vor der Meinungsfindung und Meinungsfreiheit. Die Gruppe begründet durch den Gründer die Schliessung wie folgt:

Liebe Netties,
Wir sind nicht nur erschüttert über die Geschehnisse in der Silvesternacht, sondern auch über das Verhalten, die Aussagen und die Postings, die in der Folge dieser schrecklichen Nacht hier im Nettwerk verbreitet werden.

Zurzeit ist es unmöglich diese Seite zu administrieren.

Das, was ihr momentan hier im Nettwerk lest, sind die Gedanken und Gefühle, Meinungen und Sichtweisen, Ängste und Sorgen der Menschen aus Köln. Ungefiltert und nicht, so wie üblich, im Rahmen der AGBs von Facebook und im Sinne der Nettwerk Regeln administriert und betreut.

Es ist unmöglich hier noch differenziert, verantwortungsbewusst und vernünftig zu administrieren.

Dafür haben wir weder Ressourcen noch die Zeit. Dies ist eine private Gruppe und nicht, wie viele glauben, eine öffentliche offizielle Seite von Facebook.

Diese Seite existiert nur weil Menschen 365 Tag im Jahr sich darum kümmern. In ihrer Freizeit!

Fakt ist: Das Nettwerk ist derzeit nahezu ein Kriegsschauplatz verbaler Gewalt, gegenseitiger Schuldzuweisungen, Aufrufe zur Lynchjustiz, Beleidigungen, Pöbel, Hetze und Rassismus.

Sachliche und konstruktive Diskussionen sind offenbar unmöglich. Jeder Schnipsel zum Thema aus sämtlichen Medien wird kritiklos übernommen und hier auf die Pinnwand geklatscht.

Daraus entsteht eine hochexplosive Mischung aus Emotion, Wut, Hetze, Aggression. Das ist wirklich nicht mehr Nettwerk, es ist Hass-Werk.

Respekt und Toleranz, Fehlanzeige. Jeder schreibt das was er denkt und sei es noch so abscheulich, bar jeder Vernunft und den eigentlichen gewünschten Werten und auch den eigenen Ansprüchen.

Es mag für den einen oder anderen befreiend wirken wenn er seinen Gewaltphantasien freien Lauf lässt, doch das hilft keinem einzigen Opfer! Keiner Frau die in dieser Nacht angegriffen wurde, helfen diese Rachegedanken.

Im Gegenteil, es führt unter Umständen dazu dass es andere dazu ermutigt einfach mal einem x- beliebigen ausländisch aussehenden Menschen Gewalt anzutun.

Einem ganz normalen Bürger der seiner Arbeit nachgeht und seine Steuern zahlt.

Der geschätzte Nachbar aus der Türkei, der tunesische Freund, der iranische Kollege, der Syrische Medizinstudent, der Familienvater aus dem Senegal.

Der „nordafrikanisch” aussehende Profifußballer der jeden Samstag von seinen Fans gefeiert wird. Es könnte jeden von Ihnen treffen, wenn man das Szenario dass hier in Teilen gezeichnet wird, weiter denkt.

Wollen wir das? Selbstjustiz? Wollen wir, dass 200 gewaltbereite Männer durch die Straßen Kölns ziehen, um diese von dem „Unrat“ zu befreien? Sie anfeuern und jubeln weil endlich mal jemand sich der „Sache“ annimmt? Die wahllos auf irgendjemanden einprügeln weil er „fremdländisch“ aussieht?
Wollen wir, dass in Köln Flüchtlingsunterkünfte unter Beifall angezündet werden? Unschuldige Menschen, Kinder, dabei zu Tode kommen?

Und, wollen wir dass das Nettwerk als Nährboden für dieses Handeln herhalten muss?

Nein, natürlich wollen wir das nicht. Zumindest die Mehrheit der Mitglieder will das nicht.

Natürlich wollen wir alle dass die Täter hart bestraft werden. Das gehandelt wird. Dass die Stadt Köln, die Behörden, die Politik all die Probleme in den Griff bekommt. Die Forderung nach einem Handeln der Politik und der Behörden ist legitim. Auch eine respektvolle Diskussion in der Gruppe um die Ursachen und Konsequenzen.

Die Forderung nach Selbstjustiz, Hassreden, Beleidigung, pauschale Verurteilung von Ausländern, jedoch nicht. Nicht in diesem Land, und noch weniger in dieser Gruppe.

Doch leider findet das gerade, unter anderem, statt. Hiermit meinen wir nicht die Beiträge in denen jemand seiner Angst und seiner Fassungslosigkeit Ausdruck verleiht. Wir meinen auch nicht die Beiträge in denen ein schnelles Handeln der Politik gefordert wird. Und auch nicht kritische Beiträge zur Asylpolitik.

Wir meinen jene Beiträge die Fremdenhass und Gewalt schüren. Beiträge in denen Flüchtlinge und/oder Ausländer im Allgemeinen zu Verbrechern stigmatisiert werden. Denen man Körperteile abschneiden, sie erschießen möchte und bei lebendigem Leibe verbrennen etc. Das hat diese Stadt, und ihre lebensbejahenden Menschen, nicht verdient.

Wir hätten niemals für möglich gehalten dass es mal so weit kommt!

Mit netten Grüßen, ein Fassungsloser Gründer des Nettwerks!

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