Warum ich #ibes (RTL) schaue

Seit 10 Jahren freue ich mich auf den Januar. Nicht wegen der horrenden Kosten, die auf mich zukommen, wie Versicherungen. Nicht wegen der zusätzlichen Arbeit, wie die Steuerbescheide. Und auch nicht wegen dem Ausnüchtern und Ernüchtern, ob nun Silvesternacht oder neue Gesetze. Nein, Januar bedeutet für mich gut 2 Wochen abendliches Abschalten. Im Kopf:

Holt mich hier raus, ich bin in Star

ist meine Sendung, zu der ich mich jährlich, seit 10 Jahren, nun “oute” – um anschliessend gute, böse, blöde und nette Kommentare zu lesen. Und ja, ich schau dieses Ekelfernsehen mit Grimmepreis.

Und ich könnte jetzt sagen, ich würde RTL einschalten, weil es kaum eine bessere Sendung gäbe, die zeigt was Mensch ist. Dreckig, hinterhältig, gemein, hetzerisch, ketzerisch; aber auch sauber, romantisch, hungrig; sowie dumm, dümmer,  – RTL eben. Ja, und ich könnte sagen: Schaut hin: So würde es uns allen gehen, wenn wir nur einige wenige Gesetze, Grundregeln, hätten. Jeder darf hetzen, jeder darf essen, jeder darf einen Tag regieren. Und unsere Tagesaufgabe ist die tägliche Unterwerfung vom Chef. Auch irgendwie eine Art Sargspiel bei dem Drecksviecher auf einen herabprasseln. Und ich könnte sagen: Schaut, so einfach funktioniert Demokratie. Jeder darf mitreden, solange jeder für die Gemeinschaft einen Handschlag macht.

Aber da fangen die Probleme an: der eine scheisst (‘tschuldigung) auf die Klobrille, die andere verweigert die Aufgabe, den Job. Schon haben andere, im wahrsten Sinne des Wortes, die Scheisse auszuputzen und dürfen hungrig zu Bett.

Ja, das ist auch das Gemeinschaftsleben – unter freien Himmel mit klaren, prägnanten Regeln. 

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Da fragt man sich nicht mehr, wer im wahren Leben auf die Klobrille … und wer seinen Job verweigert. Man fragt sich nicht mehr, wer da auf dem Büroflur über wen hetzt. Man hat es abendlich in Farbe – mit Leuten, die man vorher kaum und gar nicht kannte. Man entdeckt, man erfährt, man sieht: Überraschungen, Entgleisungen.

Und plötzlich, nachdem Kotzfrucht und Anus verspeist wurden, ist einem Daheimgebliebenen auch jeder Wurm im Aldi/Lidl/Netto-Einkauf relativ egal, wie der Pferdefuß in der Lasagne. Ist eben so. Und einem schwant: Die C-,D-,E-,Z-Promis leben vielleicht gesünder als wir. Egal, wir leiden mit. Das können wir gut. Zumindest für eine begrenzte Zeit.

Deshalb ist es auch gut, wenn das Dschungelcamp nun bald wieder beendet ist. Es ist gut, denn dann hatte ich meine Auszeit. Die kleine, kurze, bei der es mir eben mal nicht um Deutschland, sondern um Thorsten und Helene, Jürgen und Sophia geht. Um altgewordenen Schauspieler und junge Nichtgebildete. Eben:

Es ist doch ein Querschnitt unserer Gesellschaft. 

Darf ich dann doch das gekaufte IbeS-Merchandise als politische Bildung bei der Steuer absetzen? Oder ist das nur mit Minions-Pullis möglich? Wenn Katzenvideos auf Facebook schon als wichtiges Element der Kommunikation gelten, Emoticons als Sprachersatz, dann darf das RTL-Dschungelcamp ebenso alswichtiges Element, als Ersatz ja als Weiterbildung gesehen werden.

Ob ihr nun lacht oder nicht – ich schaue diese Sendung bis zum bitteren Ende, wenn der König gewählt wurde, der letzte Cent für den TED – ja so nannte man dies früher: Teledialog; also die Abstimmung per Telefon – aus dem Prepaidguthaben gepresst ist. Und dann bin ich wieder ganz normal.

Während die lautesten Kritiker weiterhin heimlich die BILD lesen, die sie nie kaufen würden, Katzenvideos auf Facebook teilen und jede Antwort mit <3 <3 <3 bereichern oder einfach nur solche echt wahren Geschichten wie “Star Wars” schauen und über die neue Serie “Zoo” debattieren.

Und ja – es gibt wichtigeres: Ich gehe mir jetzt eine Stulle schmieren und höre kein Gabriel, kein Schmid, keine Merkel dabei, aber schreie: Ich bin kein Star, holt mich hier raus!

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