Moralisch verkommene Journalisten in Zeiten der Lügenpresse

Der Fall des Welt-Journalisten Günther Lachmann

 

„Die Welt trennt sich von Günther Lachmann.“ Das Erklärte der „Welt“ – Chefredakteur Stefan Aust am Samstag, 13.02.16, auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Der Vorwurf: Lachmann habe seine Stellung bei der Welt missbraucht, indem er sich „unredlich verhalten“ habe. In Zeiten einbrechender Auflagenhöhen und Schlagwörtern wie „Lügenpresse“ fällt Lachmanns Rauswurf besonders auf, auch wegen seiner Hintergründe.

Was bedeutet Lachmanns Rauswurf bei der Welt in Zeiten der Lügenpresse?

Der AfD-Landesvorsitzende von Nordrhein-Westfalen, Marcus Pretzell, hat den möglichen Skandal an das Licht der Öffentlichkeit gebracht, als er auf dem sozialen Netzwerk Facebook darüber berichtete. Er schrieb, dass Lachmann „für die AfD im Pressebereich arbeiten wolle“ ; gefordert habe er dafür ein „Honorar von 4000 Euro pro Monat“. Zudem habe Lachman seine Arbeit bei der Welt nicht aufgeben und weiter verantwortlich sein wollen „für die Berichterstattung über die AfD“. Das war im Januar.

Am Freitag, 12.02.16 gab Lachmann seinem Chef, Stefan Aust, eine eidesstattliche Versicherung ab, dass an Pretzells Vorwürfen keine Silbe wahr sei. Offenbar müssen an Pretzells Aussagen doch einige Silben wahr sein, sonst hätte Aust nicht Lachmanns Rauswurf verkündet. Aust hat damit ein Zeichen für redliches Verhalten gesetzt. Wer den Journalismus für seine egoistischen Ziele missbraucht, hat seine Berufung erfüllt – glaubt zumindest so mancher Schmierenjournalist.

Lachmann – der ein laxes Verhältnis zu Ehre und Berufsmoral zu haben scheint, philosophiert gerne über Moral – zumindest über die anderer – und speziell über die der AfD. Im Juli 2015 soll er Kerstin Gabrecht, die Pressesprecherin von Marcus Pretzell, mehrere E-Mails geschickt haben. Darin sprach er, man müsse die AfD von ihrem „national-konservativem Stigma“ befreien und zu einer Partei der „Verantwortungsdemokratie“ umwandeln. Was genau das zu bedeuten haben sollte, skizzierte er gleich in einem Manifest, dass er mitschickte.

Wer noch immer nicht versteht, was Herr Lachmann unter „Verantwortungsdemokratie“ meint, der muss wissen, dass Lachmann, Frau Gabrecht, schon im März 2015 geschrieben hatte: „Wollen wir da nicht dagegenhalten?“ Gemeint war ein Artikel von Spiegel Online über die Rolle, die Marcus Pretzell gespielt hatte, als das Konto des nordrhein-westfälischen Landesverbands der Afd gepfändet wurde. Bevor sich aber jetzt wer unnötig aufregt, dem sei gesagt, dass es schon immer Journalisten gab, die für eine bestimmte Partei geschrieben haben. Und das wird, in Zukunft, wohl nicht anders sein. Krass bei Lachmann ist aber, dass er Frau Gabrecht, von seinem Welt/N24-Account angeschrieben hat. Er hat nicht einmal versucht, seinen Missbrauch, als Journalist, irgendwie zu vertuschen.

Die CDU hat „ihre“ Journalisten, wie auch die SPD, die Grünen oder die Linkspartei. Ist das moralisch? Sagen wir so: Es ist praktisch. Ist man bei der CDU, kann man leichter an Informationen gelangen, die man sonst weniger leicht bekäme. Ein Parteiausweis ist auch kein Gelübde, wie ein Ehegelübde oder ein Keuschheitsgelübde. Was natürlich nicht bedeutet, dass ein Journalist mit Parteiausweis, die Ziele seiner Partei ablehnt oder gar ignoriert. Journalisten, mit bestimmtem politischen Glauben, gab und gibt es schon immer. Laut dem Statistikportal statista.com sind, von Deutschlands Politikjournalisten,  26,9 Prozent bei den Grünen, 15,5 Prozent bei der SPD, 9 Prozent bei der CDU/CSU und 4,2 Prozent bei der Linkspartei.Ich will das jetzt nicht bewerten, ich sage nur: Unabhängiger Journalismus sieht anders aus.

Sollte sich Herr Lachmann gut in der AfD aufgehoben fühlen, wäre das seine Privatangelegenheit. Er wäre damit auch weder moralischer noch unmoralischer als seine Journalistenkollegen. Die Gefahr bei solchen Parteisoldaten, unter Journalisten, ist dann, dass sie schlampig, verantwortungslos und parteiisch berichten. Ich weiß nicht, wie es Ihnen, geneigte Leser, ergeht, aber für solche Artikel gebe ich kein Geld aus. Ich unterstütze nur dann eine Zeitung, wenn sie objektiv ist, und es mir, als Leser, überlässt, welche Schlussfolgerungen ich aus den jeweiligen Fakten ziehe.

Anders verhält es sich, wenn der Leser eine Satire oder Kolumne oder einen Meinungsartikel geboten bekommt. Wer einseitig schreiben will, wer glaubt, mit seiner Ansicht richtig zu liegen, kann das gern tun; er kann schreiben, warum er eine Sache für richtig oder falsch hält. Ist das verwerflich? Wenn er das seinen Lesern vorher sagt, nicht. Wer meine Texte liest, weiß, dass er sich eine Kolumne vor seine Nase hält. Er weiß also, dass er meine Ansicht und meine Gründe – für oder gegen eine Sache – hört. Manche Journalisten berichten aber so, dass es nur objektiv klingt. Und das nennt man: Lügenpresse.

Ich will jetzt auch keine Vorwürfe gegen die Welt oder Spiegel Online starten, ich denke mir meinen Teil. Was ich sage, ist, dass Herr Aust, im Falle Lachmann, richtig gehandelt hat. Wäre die AfD auf die Forderung von Lachmann eingegangen, hätten wir Artikel lesen können, wie toll die AfD ist, und dass wir sie unbedingt wählen sollen, denn, sie sei die Retterin des Abendlandes. So, oder so ähnlich, wäre der Ton von Lachmanns Artikeln geworden. Übertreibe ich? Dann überlegen Sie bitte, dass Kanzlerin Merkel, für ihre Asylpolitik, als „Retterin des Abendlandes“ gefeiert wird. Und das ist jetzt bestimmt objektiver – nicht wahr?

Für meine Begriffe schaden Journalisten, vom „Typ-Lachmann“, nur der Presse. Man sollte jetzt aber nicht mit Fingern auf Lachmann zeigen. Es gibt noch viele seiner Art. Zu viele.

Lachmanns Rauswurf bei der Welt ist ein Signal zu einem objektiveren Journalismus. Es müssen aber noch mehr Lachmanns folgen, damit die Presse so ehrlich, genau und ausgewogen wird, wie sich das Chefredakteure, vom Schlag eines Stefan Aust, wünschen.

Günther Lachmann ist, im Moment, nur eine Nebelkerze, die verdecken soll, dass andre Redaktionen unter ähnlichen Lachmanns zu leiden haben.

 

Einen hätte ich noch!

Verantwortungsdemokratie in Zeiten der Lügenpresse; was ist das andres, als eine Umschreibung für „bestechliche Journalisten“.

 

https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2016/emails-an-afd-belasten-welt-journalist-lachmann/

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/afd-vorwuerfe-gegen-guenther-lachmann-stefan-aust-erklaert-rauswurf-a-1077270.html

http://de.statista.com/statistik/daten/studie/163740/umfrage/parteipraeferenz-von-politikjournalisten-in-deutschland/

 

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