Die würden die Leute hier ausnehmen wie eine Weihnachtsgans

:VERLAGSWERBUNG: Romowe
Templin in der Uckermark wirkt auf den ersten Blick beschaulich. Die Stadt im Norden Brandenburgs ist die Flächengrößte im Landkreis Uckermark. Was überrascht: Sie ist ihrer Fläche nach die achtgrößte Stadt Deutschlands. Der Ort wird erstmals 1270 urkundlich unter der alten Schreibweise Templyn erwähnt. Die Region ist reich an Geschichte. Hier haben auch immer interessante Menschen gewirkt. Einen lernen wir gleich kennen.

Heute am 5. Februar 2018 ist die Stadt teilweise von Schnee bedeckt. Der Winter hat ein paar frostige Grüße geschickt. Gerade zur kalten Jahreszeit ist das Leben nicht für alle Menschen einfach. Für Obdachlose kann es gerade im Winter gefährlich werden.
Jedes Jahr sterben auch in Deutschland Menschen in der Kälte.
Damit es gar nicht so weit kommt, hat Frank Wolter schon im Jahr 2009 ein Heim für Obdachlose eingerichtet. Diesen Herrn besuchen heute Mitglieder der AfD-Fraktion im Landtag Brandenburg. Die stellvertretende Vorsitzende Birgit Bessin und der infrastrukturpolitische Sprecher Jan-Ulrich Weiß sind beim Verein Rettungsinsel.e.V. zu Gast. Von außen sieht man, dass das Gebäude einmal ein Hotel gewesen ist. Lange wurde das Haus auch als Poliklinik genutzt, erklärt Frank Wolter. Er hat die AfD-Abgeordneten und die Mitarbeiter der Fraktion in einen kleinen Saal geführt. Bei einem Kaffee beginnen die Gespräche. „Hier essen viele Bewohner, hier kommen sie zusammen“, erklärt Wolter. Die Bewohner leben in Einzelzimmern. Zur Zeit sind in diesem Objekt 25 Personen untergebracht.
Wie kommt man dazu, ein Heim für Obdachlose zu betreiben? Birgit Bessin, die auch sozialpolitische Sprecherin der Fraktion ist, ist neugierig. Der Heimleiter erzählt von seinem Werdegang. In seinem alten Job gab es für ihn keine Perspektiven. Er veränderte sich und nahm an einer mehrjährigen Maßnahme im sozialen Bereich teil. Als diese auslief, war klar: Er macht weiter – und das auf eigene Faust. Der Anfang war nicht leicht. Den Verein Rettungsinsel.e.V. ruft er im Jahr 2004 ins Leben. „Wo lag ihr Fokus?“ Das will der Abgeordnete Jan-Ulrich Weiß wissen.
Herr Wolter sagt: “Es ging mir immer um Hilfebedürftige aus Templin und der näheren Region.”
Warum diese Menschen im Leben gescheitert sind, ist für ihn zweitrangig. Es sind viele Alkoholkranke im Haus. Wie auf´s Stichwort gesellt sich ein älterer Herr zur Gesprächsrunde. Der Mann ist knapp 80 Jahre alt. Er sieht recht manierlich aus, dennoch hat sein Leben Spuren hinterlassen. Wolter schaut verschmitzt. „Den ändere ich nicht mehr. Wahrscheinlich wird das hier sein letztes Zuhause sein. Er ist versorgt.“ Jan-Ulrich Weiß erfragt, wie vielen Menschen hier eine Zuflucht gefunden haben. Zur Zeit sind in diesem Objekt 25 Personen untergebracht.
In einem weiteren Objekt sind zusätzliche Leute untergebracht. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Personen mit Drogenproblemen. „Die kann ich nicht hier im Haus unterbringen“, erläutert Frank Wolter. „Das passt nicht zusammen. Manche sind wirklich heftig drauf. Ärger ist da vorprogrammiert.“ Die Auswahl der Bewohner, die hier im alten Hotel zusammenleben, scheint zu funktionieren.
„Die würden die Leute hier ausnehmen wie eine Weihnachtsgans. Die Bewohner wären denen nicht gewachsen.“
Das antwortet der verantwortungsbewusste Heimleiter, als Birgit Bessin auf einen weiteren wichtigen Punkt kommt. „Sollen hier auch Flüchtlinge untergebracht werden? Die Bewohner, die wir hier sehen, hätten wohl das Nachsehen. Wie es mitunter in Asyl-Unterkünften zugeht, ist kein Geheimnis mehr. Es würde aber auch den Charakter des Heims zerstören. Projekte, die sich expliziert an deutschen Hilfebedürftigen ausrichten, scheinen derzeit ohnehin aus der Mode zu kommen. Vielleicht lässt sich mit denen kein lukratives Geschäft machen. Wolter, der Leiter des Hauses, ist ein Mann klarer Worte. Er ist kein Hilfe-Romantiker. Er ist Realist. Er weiß, was geht und wo das Land der Träume beginnt. „Was wünschen sie sich, welche Unterstützung von offizieller Seite, von der verantwortlichen Politik?“ Jan-Ulrich Weiß schaut den Mann forschend an. Die Antwort fällt ungewöhnlich aus.
„Ich würde gerne mal einen Dienstplan schreiben.“
Der Runde wird bewusst, was der Mann meint. Er hat eine mehr oder weniger halbe Kraft zur Verfügung, die fest zu seinem Haus gehört. Die externen Kräfte wie Betreuer, Fußpfleger oder Pflegekräfte und Ärzte tun ihr Bestes – dennoch bleibt der Löwenanteil im Haus der Job von Frank Wolter. Seit Eröffnung der Einrichtung – wir erinnern uns: das war 2009 – hat er keinen richtigen Urlaub mehr gemacht. „Ich bin irgendwie immer hier“, sagt er. Unterstützung durch mindestens eine weitere Kraft könnte ihn etwas durchatmen lassen. Doch er kann keinen weiteren Mitarbeiter finanzieren.
„Ich bin manchmal nur erstaunt, was an anderer Stelle ganz unkompliziert möglich ist.“
Jedem im Raum ist klar, was gemeint ist. Auch in Templin sind sehr schnell und unkompliziert Unterkünfte für die Ankömmlinge von Merkels „sogenannter humanitärer Hilfe“ entstanden. Personal für diese Einrichtungen wird nach wie vor gefunden. Leistungen werden in einem solchen Umfang erbracht, dass sich haufenweise Fragezeichen bilden. Ein ähnliches Engagement für deutsche Obdachlose trifft wohl nicht das Interesse der Altpolitik. Doch Wolter klagt nicht. Oft schaut er fast spitzbübisch. Ein Mann aus dem Leben, der sich Fragen stellt. Aber selbst wenn die Antworten ausbleiben, wird weiter gemacht. Er blickt zu den Abgeordneten Bessin und Weiß und sagt:
„Ihr müsst es richten. Ihr müsst eure Arbeit machen.“
Die AfD-Politiker haben verstanden. Sie haben genau zugehört. Sie verlassen Templin beeindruckt. Beeindruckt von der Willenskraft eines Einzelnen. Beeindruckt von einem Mann, der sich ohne Gutmenschen-Attitüde für die Schwachen in unserer Gesellschaft einsetzt.
Autor: Stev Drews
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