Merkels Denkfehler: “Das Volk sind alle, die in Deutschland leben!”

Die theoretischen Debatten reissen nicht ab: Ob Kindergeld oder die ISlam-Debatte, ob HartzIV oder die Massenintegration Integrationsunwilliger… Dabei ist immer wieder ein Denkfehler festzustellen:

Merkel und Merkel-Ja-Sager, von CSU bis Linkspartei gehen davon aus, das das Volk alle sind, die in Deutschland leben. Jedoch sind zwei “Volk”-Übersetzungen nötig, um zu verstehen, was das Volk ist.

Erstens: Das Volk, nach Wikipedia:

Der Begriff Volk bezeichnet eine Reihe verschiedener, sich teilweise überschneidender Gruppen von Menschen, die aufgrund bestimmter kultureller Gemeinsamkeiten und Beziehungen und zahlreicher Verwandtschaftsgruppen miteinander verbunden sind.

es ist eben nicht “a lot of people”, eine Menschenmenge. Sondern ein Teil dieser. Nämlich jene, die “aufgrund bestimmter kultureller Gemeinsamkeiten und Beziehungen und zahlreicher Verwandtschaftsgruppen miteinander verbunden sind”. Kultur und Herkunft also. So wird auch kein Deutscher – im Sinne des Volkes – jemals Mexikaner – im Sinne der Definition Volk – werden.

Zweitens: Das Staatsvolk, nach Wikipedia:

Ein Volk im Sinne von Staatsvolk besteht hingegen aus der Gesamtmenge der Staatsbürger und ihnen staatsrechtlich gleichgestellter Personen

oder, ebenso nach Wikipedia:

Das Staatsvolk ist die Gesamtheit der durch die Herrschaftsordnung eines Staates vereinigten Menschen.

Das Staatsvolk kann sich demnach aus Völkern herausbilden, die die jeweilige Herrschaftsordnung (des Staates) akzeptieren, sich dieser unterwerfen. Das Staatsvolk setzt sich im Allgemeinen zudem aus Bürgern und weiteren Klassen zusammen. Das Wort Bürger entstammt dem Wortstamm Bürgen. Heute ist jeder Steuerzahler der Bürge – der Bürger. Hinzu kamen und kommen Klassen, die dem Staat kosten. Wenn die Idee des jeweiligen Staatskonstruktes gesund ist – und bleiben will -, dann müssten jene die dem Staat Kosten verursachen auf (mittel-)langer Sicht dennoch Profit (nicht nur materiell) einbringen. Zukunftsgestaltung, sei hier ein Beispiel genannt. Deshalb zahlt der Bürge(r) unter anderem Steuern. Somit können die Zukunftsgestalter, die Politiker sehen sich selbst unter dieser Bezeichnung, bezahlt und verpflegt werden. Dazu kommen dann noch die Ordnungshüter (Polizei), das Recht (Justiz), die Wissensvermittler (Lehrer). Und irgendwann sorgt die “Volksgemeinschaft”, unter Umständen zeitlich bedingt, für wirtschaftlich schwäche Mitglieder des (Staats-)Volkes. Um diese Ausgaben tragen zu können, muss das Volk jedoch auf stabilen wirtschaftlichen Beinen stehen (können).

Setzen wir diese Erkenntnisse in die heutige reale Relation, auch nach bundesdeutsch-rechtlicher Sicht.

Das Volk ist miteinander kulturell und der Herkunft nach verbunden. Nach SPD-Auffassung jedoch hat Deutschland keine Kultur. Wir erinnern uns kurz:

Eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.

Aydan Özoguz, SPD, Integrationsbeauftragte

Nach der SPD bliebe dann noch die Herkunft. Da die SPD aber in Klassen denkt, müsste es nach ihrer Auffassung ein Volk nur aus Arbeitern geben. Oder nur aus Großindustriellen, seit der Schröder-Ära.

Die CDU/CSU stand dem kaum nach und verlor darüber ihre “christlich-sozialen” Boden. Das einzige, was vielleicht noch irgendwie biblisch wäre, ist das alle Menschen irgendwie, seit Adam und Eva, miteinander verwandt wären. Doch dann wären alle ein Volk, nach der Merkel-These. Eine welt, ein Boot, ein Untergang…?

Doch bei allen diesen Volkstheorien unterbleibt es dem Staatsvolk den Staat und die innere Ordnung beizubehalten resp. herzustellen. Da die BRD aber Pässe mit der Aufschrift BRD und Deutschland immer mehr verteilt, kann man auch nicht mehr davon ausgehen, dass jeder deutsche Pass einen deutschen Träger hat. Im Gegenteil, so gibt es hierzulande viele Mitbürger, jenseits des deutschen Passes, die “deutscher” sind, als so mancher Pass- und Ursprungsdeutsche.

Die Frage ist demnach nicht, wer zum Volk gehört, sondern wen der Staat – als gesellschaftliche Ordnung, zum Staatsvolk bestimmt. Und andersherum gilt: das Staatsvolk bestimmt seinen Staat. In gesellschaftlicher, wie kultureller Form und seinem Inhalt. Das Staatsvolk justiert Recht und Ordnung sowie Politik und Zukunft.

Es liegt also an jedem Einwohner, ob er sich dem Volk und dem Staatsvolk zugehörig fühlt – und im Gleichzug die Verantwortung dafür übernimmt. Verantwortung jedoch bedeutet Arbeit, Gedanken und eine immerwährende Überprüfung, die sich selbst und den Kern der Sache nicht ausnehmen darf. Ja, das ist Anstrengung.

Diese Überlegungen umgehen aber die Zukunftsgestalter der heutigen BRD: Spahn treibt die unteren wirtschaftlichen Schichten aufeinander, Merkel sieht sich in einem eine-Welt-aber-ohne-die-Russen-Modus und der Rest macht irgendwie mit. Und auch der “Heimat”-“Chef” Seehofer wird den Bereich Heimat nicht gestalten, sondern die Reste verwalten. Dabei spielt die Parteifarbe längst keine Rolle mehr. Einzige Ausnahme im Bundestag, bislang, ist die AfD, die den Unterschied zwischen Bewohner, Staatsvolk und Volk noch erkennen kann.

Die Lösung kann nur darin bestehen, dass Staatsvolk und Volk – sowie jene, die sich dem kulturellem und Herkunftshintergrund des Volkes in Mitteleuropa annehmen – sich zu einer zukunftsträchtigen Gemeinschaft zusammenfinden. Das bedeutet jedoch auch, auf “krumme Geschäfte”, auf Demütigungen, Hass und Gewalt ; zumindest untereinander ; zu verzichten.

Dies ist in der BRD eine besondere Herausforderung, denn ein deutsches Volk besteht aus vielen Völkern: von Preussen bis Hessen, von Bayern bis Pommern, aber z.B. auch baltische, sorbische und dänische Völker sind in Deutschland zu beachten. Die Völker haben unterschiedliche Kulturen entwickelt, unterschiedliche Religionen und Glaubensgemeinschaften, unterschiedliche Sprachen und Visionen. Hier liegt unsere Herausforderung. Als Bestandteil der Völker, des Volkes und des Staatsvolkes.

Wer also will, kann behaupten: Deutschland ist schon immer ein Vielvölkerstaat, eine multikulti-Gemeinschaft. Jedoch eine, die aufeinander zuging, sich ergänzte, sich entwickelte;  eine Gemeinschaft in der es keine extra-Forderungen gab. Eine Gemeinschaft, die ein Volk sein wollte, sich der Zukunft zuwendete. Und eine, die zum Gelingen einer erfolgreichen, wirtschaftlich, kulturell und gesellschaftlich starken Nation beitrug. Daran sollten Merkel, Seehofer, Spahn, Özoguz uns, das Volk, das Staatsvolk ; uns, die Gemeinschaft messen. Und sie sollten sich danach richten, denn eigentlich hat der Konsument die Wirtschaft und der Bürger die Regierung in der Hand. Dies belegt die Geschichte. Zumindest: wenn Bürger, wenn das Volk, das Staatsvolk, die Gemeinschaft nicht faul auf dem Sofa lümmelt.

 

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