Wolfgang Luley trifft Tanja Krienen

Unsere“ National“-Mannschaft ist längst keine mehr, sondern ein Vorzeige-Multi-Kulti-Projekt von Fußballmillionären auf der Grundlage eines gewachsenen Geschäftsmodell.

 

 

Hallo Tanja, Dein neues Buch ist raus. Dein vorheriges Buch hieß: Fackeln in der Dämmerung, Dein jetziges: Das Ziel in weiter Ferne. Warum so pessimistisch? Was ist in der Zwischenzeit passiert?

TK: Fackeln sollen bei einbrechender Dunkelheit helfen, die Vorstellung der hereinbrechenden Nacht trägt doch denselben pessimistisch-realistischen Charakter wie die Beschreibung eines weit entfernten Zieles. Es hat sich also nichts verändert. Doch wir sind drei Jahren voran geschritten, will sagen: die Dunkelheit nahm zu. Klar auch, dass man dann Ziele noch schlechter trifft, bzw. erreicht. Politisch gibt es auch immer mal einen Lichtblick und die pessimistisch-realistische Umschreibung des Istzustandes heißt auch nicht, es gäbe keine Hoffnung. Doch zunächst einmal ist das Ziel in weiter Ferne, die Nacht liegt noch vor uns und das Morgenrot Zukunftsphantasie.

Du hast wieder Artikel, Gedichte und Aphorismen aufgenommen. Der Ton ist gewohnt kämpferisch und die Themen reichen von der Antifa, über die AfD bis hin zum Islam. Was verbindet Dich gerade mit diesen Fragen?

TK: Der Islam und die Umgestaltung der Gesellschaft prägen das reale Leben und die öffentliche Debatte. Antifa und AfD sind zwei Pole dieser gesellschaftlichen Erscheinung, insofern muss ich sie mir vornehmen. Doch es gibt noch ein Dutzend weiterer Punkte an denen ich mich abarbeite, wie z.B. die Frage der kulturellen Entwicklung, der Musik, die herrschende Decadence, historische Fragen oder z.B. die Verdrängung der Vernunft und des Ursache-Wirkung-Denkens.

Apropos Islam: In Russland spielt derzeit die deutsche Nationalmannschaft um die WM-Krone. In Deinem neuen Buch sparst Du nicht mit Kritik an der Nationalmannschaft und am Deutschen Fußballbund. Vereinfacht gesagt, stört Dich, wie beide mit dem Islam umgehen. Dazu ein Beispiel: Vor der WM trafen zwei Spieler, Özil und Gündogan, Präsident Erdogan in London, was hitzige Debatten auslöste, weil sie mit einem Diktator posiert hatten. Beide Spieler beteuerten aber, ihr Verhalten sei unpolitisch gemeint gewesen. Danach haben der DFB und Bundestrainer Löw jede Diskussion im Keim erstickt, indem sie den Fall für beendet erklärten. Zu der Art von Normalität gehört auch, dass moslemische Spieler Halal-Fleisch serviert bekommen. Steckt im deutschen Fußball zuviel Islam?

TK: Eine unpolitische Begegnung zurzeit höchster politischer Anspannung in der Türkei? Niemals. Es war ein Zeichen des Einverständnisses zweier gläubiger Moslems mit der Politik des großen Führers in osmanischer Tradition. „Unsere“ National“-Mannschaft ist längst keine mehr, sondern ein Vorzeige-Multi-Kulti-Projekt von Fußballmillionären auf der Grundlage eines gewachsenen Geschäftsmodell. Der Grund, dass sich manche Spieler zu Deutschland bekennen, ist allein die Aussicht auf den größeren Erfolg. Gut integriert ist jemand, der nach Mekka fährt oder freudig Gemälde von osmanischen Schlachtenführern in seinen privaten Gemächern interessierten Journalisten zeigt, genauso wie der Eingeweidefisch in der Seegurke – als Parasit im Wirt.

Die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehört, spaltet die Bevölkerung. Schon längst gehören Mosleminnen mit Kopftuch zum alltäglichen Erscheinungsbild auf deutschen Straßen. Ob wir wollen oder nicht, der Islam zwingt sich uns auf. Ich frage mich, warum ein aufgeklärtes Land, wie Deutschland, Religionen soviel Spielraum gibt? In Bayern etwa, wirbt Ministerpräsident Söder (CSU) für „mehr Christentum“. Dazu gehört, dass Kreuze in Staatsbehörden Pflicht werden. Sind wir tatsächlich noch ein aufgeklärtes Land? Wie hältst Du es mit der Religion?

TK: Schwierig. Ich bin im strengen Sinne nicht religiös, anderseits stehe ich nicht außerhalb der christlichen Tradition. Die Bilderschwere der katholischen Kirchen ist beeindruckend und rührt mich. Berührt mich. Doch glauben kann ich nicht, weder was die unklaren historischen Fakten betrifft, noch deren Inhalte. Dazu müsste ich den wissenschaftlichen Standpunkt aufgeben, wozu ich nicht bereit bin. Wer allerdings aus dieser Mär mit interessanten Bildern und Geschichten etwas Positives herausziehen möchte, dem sei es gegönnt. Etwas anderes ist mit dem Islam, nicht nur, weil er Fremdes transportiert. Er fordert die direkte Ableitung aller täglichen Handlungen aus den Geboten des so genannten Propheten und bleibt jeden Beweis schuldig, dass er andere nicht unterwerfen und eine offene Gesellschaft dulden wird. Das eigentliche Problem ist streng genommen die Arabisierung, bzw. die Orientalisierung Deutschlands. Sie ist vom Islam selten zu trennen, geht aber noch darüber hinaus. Man könnte es auch Balkanisierung nennen, will sagen: die Etablierung von Verhaltensformen, die untypisch für Deutsche sind, resp. waren, denn inzwischen hat sie ja infiltiert und infiziert. Die Russifizierung folgt gleich auf dem Fuß, kurz gesagt: es läuft eine Überfremdung, die tiefer geht als das, was gemeinhin diskutiert wird.

Mir fällt auf, dass nicht bloß Religionen einen breiteren Raum für sich beanspruchen, auch Gefühle genießen derzeit einen hohen Stellenwert. Nicht umsonst spricht man landläufig vom postfaktischen Zeitalter. Der eigene Glaube, die eigenen Gefühle und Wertvorstellungen gelten als wichtig, wichtiger auch als Tatsachen oder gesunder Menschenverstand. Was können Autoren für Auswege anbieten? Was ist Dein Rezept?

TK: Ja, das ist auch mein großes Thema. Dabei reklamiere ich durchaus starke Gefühle für mich und bin ein emotioneller Mensch. Doch es geht hier um den Überbau, die Ideologie und die Frage, wie man wahr und unwahr, und falsch und richtig auseinanderhalten kann. Vor allem aber, ob Subjektivität und die Beschreibung der jeweils eigenen Situation, zu einem Zustand führt, in dem Millionen „eigener Situationen“ Millionen Wahrheiten bedeuten, oder ob wir nicht mit einer ordentlichen Methode generalisierende und objektive Kriterien herauszubilden imstande sind. Geben wir das auf, verlieren wir jede Abstraktionsfähigkeit und jedes logische Denken.

Autoren arbeiten mit Sprache – eine Binsenweisheit. Sicher wirfst Du hin und wieder einen Blick in den Duden? Ich frage, weil jüngst der Duden-Verlag angab, dass Gendersternchen nicht in die neue Auflage aufnehmen zu wollen. Für Dich ein Verlust?

TK: Nein. Das überfordert alle und ist sachlich nicht begründet.

Lass uns etwas über „geschlechtergerechte“ Sprache reden. In Deinem neuen Buch verwendest Du keine geschlechtergerechte Sprache. Warum?

TK: Die Sprache ist gerecht genug, doch eher ist es umkehrt: Mörder/innen schreiben die Genderideologen nie. Nur eines will ich einräumen: eine Frau sollte auch in weiblicher Form angeredet werden, also „Frau Bundeskanzler“ oder „Frau Lehrer“ wären ein Unding. Insofern sollte man mitdenken, dass tatsächlich auch viele Frauen dabei sind, wenn unterschiedliche Menschen oder Gruppen skizziert werden. Doch abstrakt reicht meist die allgemeine Form, die scheinbar männlich daherkommt, in Wirklichkeit aber rein sächliches meint. Der Bürger ist so ein Fall. Es gibt aber die Hörer. Aha! DIE/die also die weiblichen Relativpronomen sind übrigens die häufigsten Wörter der deutschen Sprache.

Sollte alles beim alten bleiben oder braucht es eine sprachliche Wende? Wie sollte die aussehen?

TK: Wenn man etwas beachten sollte, dann die Ansprache von nichthomogenen Gruppen und dann sollte man die Bezeichnungen ausschreiben, z.B. „Sieben Informatikerinnen und Informatiker haben die Ausbildung begonnen.“ So müsste es heißen, wenn innerhalb der siebenköpfigen Gruppe beide Geschlechter präsent wären. Schreibe ich es mit einem Schrägstrich „Informatiker/in“ sieht es nicht nur übel aus, es verschwindet die männliche Form, wenn man es spricht.

Mir fällt auf, da wir beim Thema Sprache sind: 2015 wanderten Illegale nach Deutschland ein. In der Presse stand, es seien „Flüchtlinge“. Dann, als klar wurde, dass viele nur der Armut wegen aus ihren Heimatländern ausgewandert waren, hieß es, es seien „Armutsflüchtlinge“. Warum kann man nicht einfach sagen, dass es Migranten sind?

TK: Oder Asylanten? Weiß ich alles nicht. In diesem Komplex tobt der Irrsinn und er hat selbst Teile der Opposition rechts der Mitte erfasst.

Welche Rolle spielen Kriminelle, wie die Antifa, bei der Meinungsbildung in Deutschland?

TK: Ich würde einenTeil als Politkriminelle bezeichnen, denn sie sind politisch, nicht zuvorderst kriminell. Man würde ihnen somit absprechen, dass sie gezielt politisch arbeiten. Ihre kruden Thesen aber beherrschen die Politik. Der absolut linksextremistische und sektiererische Schlachtruf „Niemand ist illegal!“ wurde zum alles beherrschenden Impetus der Politik!

Wie ist Deine Meinung zu den Migranten? Wie sollte die Politik, wie sollten die Bürger reagieren?

TK: Es sollte kein Recht auf die freie Wahl des Wohnortes geben. Auch die EU-Freizügigkeit war ein Signal mit fatalen Folgen. Das geht alles zu weit. Wir müssen, kurz gesagt, zu den Zuständen und Regeln der 60er Jahre zurück.

Für meine Begriffe hat Politik wenig mit den Bedürfnissen und Interessen der Bürger zu tun. Das ist mir 2015 deutlich geworden, als eine Welle der „Willkommenskultur“ über das Land schwappte. Es kam mir vor, als ob viele betrunken wären. Wildfremde Leute waren pauschal gute Menschen und Freunde. Doch nach diversen Messer-Attentaten und Vergewaltigungen, scheint Ernüchterung bei vielen eingetreten zu sein. Was müssen wir Bürger tun, damit es nicht zu einer erneuten Trunkenheit kommt?

TK: Wir Bürger wurden überrollt, weil es die Eliten so entschieden. Die gesamte Situation ist vertrackt. Es ist aber vor allem der kulturellen Wandel, der die Bürger nicht erkennen lässt, was da alles vor sich geht, weil sie selbst diesen Abstand zu entsetzlichen Verhaltensweisen nicht haben. Wie konnte es zum Siegeszug des Rap kommen, wie zur Tattoo und Piercingwelle, wie zur Lumpenprotarisierung des Typus Fußballspieler, wie zur Akzeptanz der negroiden Verhaltensweisen? Letztlich sind die Leute selbst schuld. Ich nicht, ich leide.

Hat Kultur noch eine Überzeugungskraft oder ist sie machtlos gegenüber der postfaktischen Zeit und dem erhöhten Stellenwert der Religionen?

TK: Es beginnt mit MEINER Sprache, die ich auf der Straße tagsüber kaum noch höre. In meinem Wohnumfeld wird sie immer seltener RICHTIG gesprochen, will sagen: ohne fremden Dialekt, ordentlicher Satzstellung – von der Bandbreite der Sprache gar nicht zu reden. Die eigene Kultur findet kaum statt, selbst Berichte aus deutschen Landen werden mit fremdländischer Musik unterlegt, als solle jede Erdung bewusst gekappt werden. Wenn deutsche Kultur medial inszeniert wird, dann in aller Regel als bemühter Krampf, der sich vor allem als Spielwiese des neuen bunten Einerleis präsentiert. Die Religion spielt dabei überhaupt keine Rolle. Angesichts des Zustands der Kirchen und ihres verheerenden Einflusses sollten wir uns sogar darüber freuen.

Was empfiehlst Du jüngeren Autoren? Wie sollen die sich in postfaktischen Zeiten verhalten?

TK: Ich möchte mit einer literarischen Miniatur antworten, die ich neulich schrieb, sie lautet: „Ehrlich und unbarmherzig“ müsse ein (Musik)-Journalist schreiben, sagt Philip Seymour Hoffman als Lester Bangs, Musikjournalist des „Creem“ und „Rolling Stone“, im Film „Almost Famous – Fast berühmt“ von Cameron Crowe, zu dessen Filmfigur, die ihn als 15jährigen im Jahr 1973 darstellt. „Ehrlich und unbarmherzig“ ist das, was die Weichspüler in Politik und Kultur nicht wollen, ihr Positivismus, ihre einfache Sprache, ihre Vertuschung von Fakten, lässt jene, die „ehrlich und unbarmherzig“ agieren und kritisieren, wie der leibhaftige Teufel erscheinen. „Ehrlich und unbarmherzig“, diese Prinzipien, so sie nicht in kalten Zynismus und Schamlosigkeit anderer Art umschlagen, sind diejenigen, die einen redlichen Autor umtreiben müssen. Und nur sie. „Ehrlich und unbarmherzig“! So sei es! Bleiben wir „ehrlich und unbarmherzig“. „Ehrlich und unbarmherzlich“ sei unsere Losung!

Was können wir von Dir zukünftig noch erwarten?

TK: Ehrliche und unbarmherzige Beiträge! Zuletzt den Tod. Mit Hüsch stelle ich fest –

Ich klage und schreie
Bin still und verzeihe –
Weiß nicht mehr genau was das ist!
Ich rede und schreibe
Gehe und bleibe –
Weiß nicht mehr genau was das ist!
Den geistigen Menschen als Nabel zu küren –
Welch Unsinn und schöner Betrug!
Das Alter nun an den Baumrinden spüren
Ist endlich Selbstwert genug!
Ei, darum erklingt ja Musik auf der Erden
Aus Tollwut und Trübsinn gemacht
Damit uns dann, wenn wir weniger werden
Das Herz nicht erfriert, wenn es lacht
Genommen, gegeben – gegeben, genommen
Das ist der uralte Kreis
Vergehen, verkommen – verkommen, vergehen
Ist alles, was ich genau weiß

 

Zum Abschluss: Ist unsere Demokratie noch zu retten?

TK: Die aktuellen Diskurse weisen darauf hin, dass wir mit ihr untergehen. Ich sehe keine Rettung von irgendetwas durch irgendwen.

Vielen Dank für das Interview!

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