Lieber Herr Söder (Ministerpräsident von Bayern),

Sie bezeichneten Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen Asyl in Deutschland beantragen, als „Asyltoruisten“. Nun wollen Sie das unterlassen, weil „Asyltourismus“ ein „rechter Begriff“ sei.

Mir ist unklar, warum man Leute, die nur des Geldes wegen Asyl wollen, nicht als „Scheinasylanten“ bezeichnet oder als „Wirtschaftsflüchtlinge“?

Die Begriff „Asyltourismus“ hört sich nach Krawall an – bestenfalls nach Stammtisch.

Abgesehen davon: Die politische Rechte erhebt auf diesen Begriff kein Urheberrecht, sonst dürften nur Rechte von „Asyltourismus“ sprechen. Wenn dieses Wort also jedem zur freien Verfügung steht, ist nicht die Frage, ob es ein Begriff der Rechten ist, sondern, ob das, was damit gemeint ist, stimmt oder nicht. So würde niemand von einem Asylanten sprechen, wenn der nicht verfolgt würde.

Auch ist das Problem der Scheinasylanten nicht vom Tisch. Derzeit ist unklar, ob Bayern abschieben darf oder nicht. Die Frage, was mit Begriffen ist und wer darauf Anspruch erheben darf, lenkt nur ab. Ihnen war das vorher unklar?

Sie brauchten den Begriff, um Stimmung für Innenminister Seehofer, Ihren Parteifreund, machen zu können. Es war Ihnen herzlich egal, woher der „Asyltourismus“ stammt. Und jetzt, da Horst Seehofer nicht mehr um sein Amt bangen muss, ist der „Asyltourist“ urplötzlich verpönt.

Mir ist ohnehin unklar, was Seehofer erreicht hat. Er wollte Menschen an der Grenze abweisen, die einen Asylantrag stellen wollen. Was gut ist, da man, um nach Deutschland zu kommen, bereits über Länder reisen muss, die in der EU sind. Wer also einen Asylantrag partout in Deutschland stellen will, muss andere Gründe haben, als die, verfolgt zu sein. Daher liegt der Begriff „Asyltourist“ nahe. (Von mir aus hätte man weiter von Asyltouristen reden können, aber warum neue Begriffe einführen, da wir treffendere und bessere haben, etwa den Scheintouristen oder den Wirtschaftsflüchtling.) Zumal Sie, Herr Söder, ohnehin nur Stimmungsmache im Sinn hatten. Wenn man es genau nimmt, diffamiert der “Asyltourist” die Touristen. Die kommen, um ein Land zu bewundern und reisen wieder ab. Scheinasylanten kommen aber, um zu bleiben und oft haben sie nur Verachtung für Deutschland übrig. Sie pfeifen auf unsere Sitten und Gebräuche und wollen nur alle sozialen Vorteile abgreifen.

Doch ich will nicht mit Begrifflichkeiten ablenken. Kam Seehofer mit seiner Forderung durch? Sagen wir es offen: Ihre Stimmungsmache und Seehofers Geschachere um seinen Posten als Innenminister waren viel Lärm um Nichts. Treten Sie mit Herrn Seehofer zurück!

Sie und Seehofer konnten und können gegen Kanzlerin Merkel null ausrichten. Im Grunde sind Sie und Seehofer nur Merkels Bettvorleger.

Traurig, dass solche Leute, wie Sie beide, hohe Ämter bekleiden.

Deutschland braucht Lösungen. Und es braucht Politiker, die für Lösungen sorgen können. Wenn dazu rechte Politiker in der Lage sind, dann sollen die auch an die Regierung.

Mit unfreundlichen Grüßen

Wolfgang Luley

 

https:// www.t-online.de/nachrichten/deutschland/parteien/id_84099016/nach-kritik-markus-soeder-gibt-kampfbegriff-asyltourismus-auf.html

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