Liebe Angelique Kerber,

dass Sie das Superturnier von Wimbledon gewinnen, hätte kaum einer vorhersagen können. Vor allem nach Ihrem sportlichen Einbruch im Jahre 2017, als Sie von Platz eins der Weltrangliste flogen und aus den Top Ten stürzten.

Aufgeben ist aber keine Alternative für Sie. Sie wechselten den Trainer und rappelten sich wieder auf. Dass Sie just in Wimbledon gewinnen mag eine Großtat sein, dahinter steckt auch eine gewisse Ironie. Denn als Sie 2017 in Wimbledon im Achtelfinale ausschieden, begann Ihre sportliche Talfahrt. 2018 ist es anders, da bringt Sie der Turniersieg wieder ganz weit nach oben. (Von Platz 10 auf Platz 4 der Weltrangliste.)

Schade nur, dass bei all Ihren Siegen immer der Name Steffi Graf genannt wird. Was auch immer Sie tun, stets heißt es: beste Spielerin seit Steffi Graf. Oder: beste Platzierung seit Steffi Graf.

Schlimm, wenn man nicht man selbst sein darf, sondern in eine Reihe mit anderen gezwängt wird. So wird die Historie zu einem Stück Kaugummi, dass einem am Schuh klebt. Man möchte es bloß noch abkratzen.

Nach dem Turniersieg über Serena Williams sagten Sie, für Sie ginge ein Kindheitstraum in Erfüllung. Das können nicht viele Sportler von sich behaupten. Man denke nur an die Fußballnationalmannschaft, die in der Vorrunde des WM-Turniers ausgeschieden ist. Und das ohne Leidenschaft und Siegeswillen.

Vielleicht mussten Sie abstürzen, um so hoch steigen zu können?

Ja, Leidenschaft und Siegeswillen haben Sie bewiesen. Das zeichnet Sie aus. Muss man Vergleiche ziehen? Nein, wenn man etwas muss, dann nur eins: selbst in die Gänge kommen.

Ihr

Wolfgang Luley

https:// www.sport1.de/tennis/grand-slams/2018/07/wimbledon-angelique-kerber-gewinnt-finale-gegen-serena-williams

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