Wenn Bürgerdialog auf Ideologie trifft

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Gestern, Lüneburg. Innenstadt. Wenn eine Hundertschaft Polizei um das Glockenhaus versammelt wird, Polizeimannschaftswagen an Mannschaftswagen aufgestellt wird, dann weiß man: Hier führt die AfD ein Bürgerdialog durch.

Natürlich gab es im Vorfeld ausreichend “Werbung”: Die “unabhängige” Landeszeitung berichtete vorab, dass ein böser Thüringer erscheinen wird, ein Mitglied des Bundestages, der zahlreiche Ordnungsrufe in seiner Zeit als Landtagsabgeordneter erhielt. Und wer Thüringen und AfD zusammenzählt, der kommt auf Höcke. Und Höcke ist das rote braune Tuch des Qualitätsjournalismus in Land und Stadt. Doch nicht Höcke kam, sondern, wie im Vorfeld angekündigt Stephan Brandner.

Fotos: Preussischer Anzeiger

Prompt erschien auf beiden Zuführungen auch jene, die die Gerwerkschaften, die SPD, Linken und CDU rief: die örtliche, lokale, regionale und überregionale Antifa, die einfach nur laut sein wollte, während Olaf Mayer sich an der Eingangstür des Glockenhauses  eine Abfuhr einholte. Bestimmt, aber freundlich, erklärte man ihm, der einst den Preussischen Anzeiger, auf einer vom NDR finanzierten Veranstaltung, als Naziblatt titulierte, er solle besser die Abendluft genießen.

Doch nicht nur er wollte in den Saal. Zahlreiche AfD-Freunde und -Kritiker ereilten den Raum. Freundlich ging es zu, bis der erste Ideologist, noch vor Beginn der Veranstaltung, die Gäste aufforderte zu gehen. Immerhin seien alle in diesem Raume Rechte, Rassisten und so weiter. Sein Abgang wurde beklatscht und  Robin Gaberle vom AfD-Stadtverband Lüneburg konnte den Bürgerdialog eröffnen.

Der erste Redner, Stephan Bothe, Mitglied des niedersächsischen Landtages, nahm das aktuelle Geschehen in Karl-Marx-Stadt Chemnitz unter die Lupe. Mit klaren Worten erklärte er den Sinn des Schweigemarsches und der Demonstration. Mehrfach erklärte er, sachlich und bestimmt, wer die messerschwingenden Mörder in unsere Republik einmarschieren lies und wer in Niedersachsen diese verfehlte Politik, nicht nur beim Thema Migranten, sondern auch beim Thema Verfassungsschutz, durchsetzt. Einige Störer versuchten, mit mehr – meist minder – sinnigen Zwischenrufen, Bothe zu unterbrechen. Einige bekamen ihre Lippen kaum noch zusammen, was die politisch-interessierten Zuhörer zunehmend störte. So musste die AfD einige Male von ihrem Hausrecht Gebrauch machen, manchmal sogar mit polizeilicher Unterstützung.

Stephan Brandner, MdB

Beim Gastredner Brandner war dies leider nicht besser. Dabei hätten sich die ideologisch Verseuchten auf “freien” Seiten, wie Wikipedia, informieren können: Brandner, Vorsitzender des Rechtsausschusses, vertritt interessante Meinungen. Er hätte viel zur Idee eines echten öffentlich/rechtlichen Rundfunks sagen können oder zu seiner Tätigkeit im Verein der deutschen Sprache (VdS), stattdessen wurde er zum Beispiel von einem deutschsprachigen Mitbürger für diese Arbeit andauernd verlacht. Warum konnte der Sitzende dem Umfeld nicht erklären. Wahrscheinlich, weil ihm die Arbeit des Vereins unbekannt war. Aber was will man von Störern schon erwarten.

Bradner sprach die aktuellen Themen an, auch die Verfassungsschutzdebatte, die Hitlergrüße; die nun nach ersten Presseberichten von linken Provokateuren stammten; der Pegidaauftritt und die angeblichen “Ausländerhetzjagden”; die der bundesdeutsche Verfassungsschutz als “Fakenews” brandmarkte. Er erklärte und untermauerte seine politisch-gesellschaftlichen Thesen, zeigte mit einfachen Worten auf, was alles, von Berlin bis Chemnitz, von Frankfurt bis Frankfurt, von Potsdam bis Hamburg, schief läuft. Auch das war einigen Störern zuviel: Man wollte Tumult. Doch die Demokraten und politisch Interessierten im Raum blieben ruhig und zeigten der Hetze auf den hinteren Stuhlreihen nur Rücken. So gingen – entnervt von ihrem Nichtkönnen – einige Störer freiwillig, andere hielten es hingegen bis zum Dialog aus.

Leider scheint “Fragenstellen” kein Schul- oder Studiumsfach zu sein. “AfD-Bashing” hingegen muss wohl gelehrt worden sein. Deshalb waren die ersten 30 Minuten eher eine Ideologieschlacht, statt ein echter Dialog. Denn Dialog beinhaltet auch das Zuhören und den Versuch eine Antwort zu verstehen. Dies gelang leider selten. Eben weil die Ideologie im Vordergrund bei jenen stand.

So berichtete ein Hinzugezogener von seiner Zeit in der muslimischen Welt: wie Christen gejagt, Kirchen geschlossen und Frauen drangsaliert wurden  und bis heute in seiner ehemaligen Heimat werden. Dennoch zeigte meine Nachbarin (Schätze Studentin oder Oberstufe) auf, dass das Rassismus wäre, denn auch weiße Männer würden Frauen schänden und eben nicht nur muslimische. Und überhaupt ihre Erfahrung, in jungen Jahren, sei eine andere. Was das eine mit Anderem zu tun habe, konnte sie indes nicht erklären. Der weiße, deutsche, Mann sei auch schuldig am Klimawandel, meinte ihre Nachbarin. Brandner versuchte die Ideologien zu beantworten, doch er traf auf wenig Zuhörer und Interessenten. Selbst als er erklärte, es gäbe schon immer den Klimawandel und die Menschen hätten nur einen marginalen Anteil daran, in Deutschland tätige Mitbürger noch um so weniger, wollten dies die Fragesteller nicht hören. Selbst als ein Zuschauer einen Bericht des Spiegels aus dem Jahre 1974 vorlas, bei dem vor einem Kaltklima (Eiszeit) gewarnt wurde, war die Ideologie der Klimaerwärmung in den linksgrünen Köpfen um keinen Deut geschwächt. Stattdessen ging es um Sexismus, sexuelle Diskriminierung, #MeToo. Selbstverständlich nur von weißen Männern, vorrangig deutschen, durchgeführt. Brandner versuchte, mal ironisch, mal mit Fakten, diese Nichtfragen zu beantworten. 

Während diese Zeiträuber ihre Ideologie zum Besten gaben, der Bundestagsabgeordnete antwortete, gab es weiterhin linksverwirrte Störrufe. Ein Dialog könnte – sollte – anders aussehen. Und so kam es, dass die wirklich spannenden Fragen und Antworten erst nach der Veranstaltung gestellt wurden. Jetzt konnte wirklich gesprochen und diskutiert werden; mit verbliebenen Kritikern, Interessierten und Überzeugten.

Währenddessen krakelten gut 100 bis 150 verwirrte Geister vor den Zufahrtswegen linke Kurztexte wie “es gibt kein Recht auf Nazipropaganda” oder diverse Revolutionswünsche. Wer die Veranstaltung erlebte, hörte keine Nazi-Propaganda, sondern sachliche Antworten auf linksgrüne Ideologie.

Nach dem Ende bat mich eine ältere Frau, dass ich sie zum “Telekom-Shop” begleite. Die ehemalige SPD-Wählerin und -Aktive hatte nämlich vor der kleinen Schreigruppe keinen Respekt, sondern Angst. Sie erklärte mir, dass sie es nie glaubte, als ihr Opa und ihre Mutter von solchen Aufmärschen erzählten – damals, Ende der 1920er Anfang 1930er Jahre. Wie sie damals Angst hatten und den Mut vor den Schrei- und Schlägertrupps der Kommunisten und Sozialisten kapitulierten – als Arbeiter, Mensch und Bürger.

Bothe, Brandner, Gaberle

Ich kann jedoch nur Jedem empfehlen, diese Veranstaltungsreihe in Lüneburg zu besuchen. Zumindest Jedem, der Fakten hören möchte, kritisch, aber nicht zu dumm ist, Argumente statt Parolen auszutauschen. Meine Nachfrage zum Thema Medien und öffentlich/rechtlicher Rundfunk zeigte mir, dass zumindest Stephan Bradner in etwa ähnliche Lösungsansätze sieht, wie ich sie bereits mehrfach in Videos und auf Veranstaltungen vorstellte. Vielleicht setzt sich seine Sichtweise in der AfD durch – vielleicht auch nicht. All das erfährt man eben nur im Dialog.

Hiermit bedanke ich mich bei Stephan Bothe,  Robin Gaberle und nicht zuletzt bei Martin Dingeldey für die Einladung und freue mich auf die nächste Veranstaltung. Ich bedanke mich jedoch auch bei Stephan Brandner und den Polizisten für ihren Einsatz.

Gesamt
5 von 5 Sternen bei 1 Abstimmungen.
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