Kim Falkenberg: Namensvettern

Romowe berichtet:
Eine neue Kurzgeschichte erwartet uns – diesmal NAMENSVETTERN von Kim Falkenberg. Doch bevor es los geht: Auch ihr könnt uns eure Kurzgeschichten senden, die besten werden wir hier vorveröffentlichen – um diese dann in einem Buch zu bündeln. Also, nur Mut! Wir freuen uns auf Eure Einsendungen! Er war allein, aber das war in Ordnung so, er wollte allein sein. Er stand mitten im Wohnzimmer und starrte auf die Kommode, die fast die gesamte Südseite des Wohnzimmers einnahm. Gegenüber war ein großes Fenster in die Wand eingelassen, so dass eigentlich immer genug Sonnenlicht ins Wohnzimmer fiel, selbst bei wolkenbehangenen Tagen wie dieser, war es noch hell genug. Langsam setzte er sich in Bewegung und ging mit langsamen Schritten zur Kommode. Er hatte es nicht eilig, jedenfalls nicht heute. Er streckte die Hand nach der linken Schublade aus und zog daran. Sie war schwer, sie knirschte, als sich das alte Holz in Bewegung setzte. Irgendwann war die Schublade ganz geöffnet und er starrte hinein. Handtücher lagen da, darunter alte Fotos in hölzernen Bilderrahmen und allerlei Schreibsachen. Er kramte darin herum, nahm die Sachen heraus und warf sie achtlos beiseite. Einen Stapel Tischdecken, die so schwer waren, als wäre dort etwas eingewickelt, nahm er mit beiden Händen heraus und warf ihn auf den Boden neben der Schublade. Vielleicht räumte er sie später wieder zusammen, aber zur Zeit war sein Augenmerk auf etwas Anderes gerichtet. Dann, einen Augenblick später, auf dem Boden der Schublade, sah er, wonach er suchte. Ein rundes Stück Metall, alt, aber noch zu gebrauchen. Zylindrisch, aber dennoch ästhetisch in seiner Form. Einen Augenblick stand er nur da und starrte auf das Objekt. Langsam griff er mit der Hand danach, nahm es zwischen die Finger und hob es vor sein Gesicht, um es genau anschauen zu können. Es war kalt, leblos, Metall halt, jedoch wurde es schnell warm durch die Berührung mit seiner Haut und er ließ es zwischen seinen Fingern hin und her rollen. Es glitt zwischen seinen Zeigefingern auf seinen Handflächen und wieder zurück. Eine ganze Zeit spielte er damit, bis es ihm plötzlich entglitt und zu Boden fiel. Er erschrak, hob es hastig wieder auf und ballte seine Faust um das Objekt, als ob es niemals wieder aus seinen Händen fallen dürfte. Das dürfte es auch nicht, das würde es auch nicht. Diesmal mit schnellen Schritten, ging er zur Kellertür, öffnete sie und stieg die Holzstufen hinab.…
Übernommen von: Romowe Weiterlesen auf Kim Falkenberg: Namensvettern

Gesamt
0 von 5 Sternen bei 0 Abstimmungen.
Deine Bewertung:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.